zur sache: Stalking

Ingolstadt (intv) Auch vier Tage nach der Geiselnahme von Ingolstadt bewegt die Tat die Menschen in unserer Region. Der Geiselnehmer hatte eines der Opfer zuvor über einen längeren Zeitraum gestalkt. Dafür war er auch erst Ende Juli verurteilt worden. Allerdings hatte das Gericht kein Indiz gefunden, dass der 24-jährige wohnungslose Ingolstädter gewalttätig werden könnte und ihn auf Bewährung wieder auf freien Fuß gesetzt.

 

Das zeigt das Problem für die Justiz: Den „einen“ Stalker gibt es nicht. Während sich manche Stalker nach einer Verurteilung von ihrem Opfer ablassen, greifen manche danach zu dem für sie letzten Mittel, ihre Ziele zu erreichen: Gewalt.

 

Dr. Michael Gänsicke, Psychologischer Psychotherapeut aus Ingolstadt, rät Stalking-Opfern dazu, unmissverständig deutlich zu machen, dass kein Kontakt mit dem Stalker mehr gewünscht wird. Außerdem sollen die Opfer nicht davor zurückschrecken, die Polizei zu informieren. Seit 2007 findet sich im Strafgesetzbuch der Paragraph 238. Dort ist zwar nicht der Begriff Stalking zu finden, aber der Begriff Nachstellung. Jedoch greift das Gesetz nur, wenn das Opfer durch die Tat schwerwiegend in seiner Lebensgestaltung beeinträchtigt worden ist. Bayerns Justizministern Dr. Beate Merk (CSU) plädiert nach der Geiselnahme von Ingolstadt für eine Verschärfung des Gesetzes. Demnach müsse es reichen, „dass die Attacken eines Stalkers geeignet sind, die Lebensführung des Opfers schwerwiegend zu beeinträchtigen“.

 

Dadurch würde es für Stalking-Opfer leichter, sich juristisch helfen zu lassen. Eine kostenlose Erstberatung bietet aber auch die Deutsche Stalkingopferhilfe in München. Unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 0800 233 können sich betroffene Personen von ehrenamtlichen Mitarbeitern beraten lassen.