Zum 180. Geburtstag des Malerfürsten: Lenbach und die Schönen seiner Zeit

Schrobenhausen (intv) Er wird als „Malerfürst“ bezeichnet und ist das wohl berühmteste Kind der Stadt Schrobenhausen: Franz von Lenbach. In wenigen Wochen jährt sich sein Geburtstag zum 180. Mal. Aus diesem Anlass dreht sich in Schrobenhausen derzeit alles um den bedeutenden Künstler. Eine große Sonderausstellung im Pflegschloss-Museum zeigt eine Auswahl der wichtigsten Werke Lenbachs, auch im Geburtshaus Franz von Lenbachs gibt es wertvolle Gemälde zu sehen.

Lenbach und die Schönen seiner Zeit

Zwar war Franz von Lenbach hauptsächlich als Porträtist prominenter Herren bekannt – zu seinen Modellen gehörte Reichskanzler Otto von Bismarck ebenso wie die beiden deutschen Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II – jedoch malte Lenbach auch berühmte Frauen des 19. Jahrhunderts. „Zum Beispiel die Damen der Gesellschaft, die Lenbach in den Wiener und Berliner Salons kennengelernt hat“, sagt Kunsthistorikern Claudia Freitag-Mair. Die Leiterin der Schrobenhausener Museen hat die derzeitige Sonderausstellung im Pflegschloss konzipiert. Knapp 100 Gemälde und Zeichnungen sind dort ausgestellt. Unter den porträtierten Damen befinden sich die Königin von Italien, Margarethe von Savoyen, oder auch die deutsche Kaiserin Viktoria Augusta von Preußen.

Kinderbildnisse Lolo von Lenbachs

Lenbach verbrachte mehr als die Hälfte seines Lebens in München, lernte auch dort hochrangige Frauen kennen. Die zweifelsfrei wichtigste: Seine zweite Ehefrau Charlotte, genannt Lolo. Diese ist nicht nur auf zahlreichen Gemälden Motiv Lenbachs Malerei, sondern betätigte sich auch selbst als Malerin. „Man sagt, sie war Lenbachs beste Schülerin“, so Freitag-Mair. Eine Auswahl von Kinderbildnissen aus der Hand Lolo von Lenbachs ist derzeit im Schrobenhausener Lenbachmuseum ausgestellt.

Relikte der Familie Lenbach im Schrobenhausener Land

Die Familie des Malerfürsten war ebenfalls von großer Bedeutung, vor allem für Schrobenhausen und das Umland. Noch heute finden sich zahlreiche Relikte, die an das Leben der Künstler- und Baumeisterfamilie erinnern. Das Geburtshaus Franz von Lenbachs, direkt an der Schrobenhausener Stadtmauer gelegen, ist seit 1936 als Lenbachmuseum bekannt. Das Grab seines Vaters, Joseph Lenbach, sowie dessen erster Gattin Anna, befindet sich auf dem Alten Friedhof in Schrobenhausen. Im Stadtteil Drei Linden gibt es einen Lenbachbrunnen. Zudem erinnern die Namen vieler Straßen, Plätze und sogar Restaurants an den bedeutenden Künstler.

Die benachbarte Gemeinde Aresing war zwischen 1854 und 1856 Lebens- und Schaffensort des Malers. „Franz von Lenbach zog zu seinem guten Freund, dem Maler Johann Baptist Hofner“, sagt der ehemalige Bürgermeister von Aresing, Horst Rössler. In dieser Zeit entstanden Landschafts- und Portraitstudien, die Lenbach auch als Inspiration für sein berühmtes Gemälde „Hirtenknabe“ dienten. Das Original befindet sich heute in der Sammlung Schack in München, eine Kopie hängt im Aresinger Rathaus.

Das Wirken der Familie Lenbach, die ursprünglich Baumeisterei betrieb, reicht bis nach Waidhofen. Dort schuf Joseph Lenbach, der Halbbruder des Malerfürsten, eine neue Empore für die Kirche Mariä Reinigung. Auch das dortige Schulhaus wurde von den Lenbachs errichtet. Auf dem Friedhof des Gachenbacher Ortsteils Weilach ist eine alte Grabplatte erhalten, die vom Vater Joseph Lenbach gestaltet wurde.

Eine umfangreiche Dokumentation über das Werk der Familie Lenbach sehen Sie am 4. November im Studio Schrobenhausener Land auf intv.