Zukunft der Bundeswehr: Attraktivitätsoffensive 2020

Ingolstadt (intv) Vereinbarkeit von Familie und Dienst schreibt sie sich nun auf die Fahne – die Bundeswehr befindet sich mitten in der Neuausrichtung. Die erste Kita, heute von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Neubiberg bei München eröffnet, ist für André Wüstner, Vorsitzender des deutschen Bundeswehrverbandes nur ein kleiner, symbolischer Schritt innerhalb des großen Umbruchs, in dem sich die Bundeswehr befindet, um familienfreundlicher und damit als Arbeitgeber attraktiver zu werden. Den Start in die Offensive 2020 hat auch der deutsche Bundeswehrverband auf dem heutigen Jahresempfang in Ingolstadt ausgerufen: „Fakt ist, die größte Herausforderung wird der demografische Wandel sein. Wir müssen sehen, wie wir bei geburtenschwachen Jahrgängen qualitativ noch hervorragenden Nachwuchs in die Bundeswehr bekommen. Nach Aussetzung der Wehrpflicht eine Mammutaufgabe“, betont Bundesverbandsvorsitzender André Wüstner.

Pro Jahr werden 17.000 Zeitsoldaten nötig sein, um die Stärke der Bundeswehr aufrecht zu erhalten, so Bundestagsabgeordneter Reinhard Brandl. Er ist Mitglied im Verteidigungsausschuss. „Die Planungssicherheit muss gegeben sein. Dass es nicht vorkommt, dass ein junger Soldat mit Familie im Juli nicht weiß, wo er im Oktober stationiert ist und er vielleicht ein schulpflichtiges Kind hat, das sind Dinge, die muss man abstellen. Auch da muss sich in der Bundeswehr einiges ändern. Maßnahmen kosten Geld, aber nicht alle.“

Auch Staatskanzleiministerin Christine Haderthauer, nach ihrer Arterien-Verengung auf dem besten Weg der Genesung, appelliert an die Obersten des Verbands. Der Dienst der Bundeswehr genieße einen hohen Stelllenwert in der bayerischen Bevölkerung, den es zu erhalten gilt: „Wir müssen auch immer wieder die Grundsatzfrage in die Bevölkerung hineintragen. Denn wenn die Bevölkerung irgendwann nicht mehr beantworten kann, wozu wir eigentlich eine Bundeswehr brauchen, eine starke Bundeswehr, dann wird auch das Verständnis für die Mittel, die wir für die Bundeswehr bereitstellen immer geringer werden.“ Die Ministerin scheute sich aber nicht, auch kritische Töne anzuschlagen: „Mit der Bundeswehrstrukturreform 2011 haben wir einen Prozess miteinander erlebt, über viele ist er geradezu hinweggefegt, der bei weitem noch nicht abgeschlossen ist. Die massive Reduzierung der Streitkräfte, die Neuordnung der gesamten Verwaltung, die Neudefinition der Aufgaben und Fähigkeiten der Soldaten.“ Sie kam auch auf die Schnelligkeit und Oberflächlichkeit der Reform unter Verteidigungsminister Thomas De Maizière zu sprechen, obwohl die Parteien CDU/CSU auch maßgeblich mit an der Konzeption beteiligt waren.