Zündstoff: Kein Bürgerfest 2015?

Ingolstadt (intv) Der Vorschlag von Kulturreferent Gabriel Engert schlägt hohe Wellen. Im Zuge der Landesausstellung hat sich die Stadt vertraglich verpflichtet, im Juni 2015 ein historisches Fest zu veranstalten. Dafür, so Engerts Vorschlag, soll das Bürgerfest ausfallen und die eingeplanten Mittel von rund 150.000 für das historische Fest verwendet werden.“Weil die Festdichte, wenn man davon ausgeht, dass das Donaufest und das Klassik Open Air von Audi weitergeht, dass es ein historisches Fest gibt, die Festdichte im Juli inzwischen so groß is, dass im Prinzip überhaupt kein Wochenende mehr zur Verfügung steht, um ein weiteres Fest zu machen. Die Entscheidung wird dadurch erleichtert, dass es das Donaufest gibt, dass ja eine Art Bürgerfest um die Donau herum ist, also auch dieser Gesichtspunkt nicht zu kurz kommt“, äußert sich Kulturreferent Gabriel Engert gegenüber intv.

Sein Vorschlag schürt jedoch Protest in verschiedensten Lagern, allen voran Ingolstädter Vertreter des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. Für das nächste Bürgerfest laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren. Ingolstadts Wirte und Hoteliers fühlen sich vor den Kopf gestoßen: „Der Vorschlag traf uns wia a Watschn ins Gesicht. Wir wussten von nichts. Wir sind in Ingolstadt einfach darauf angewiesen, wir wollen einen Tourismus haben, wir möchten uns präsentieren als Stadt im Herzen Bayerns und touristisch endlich mal vorankommen. Da kann man nicht einfach irgendwelche Feste aussetzen, nur weil ein anderes da ist, sondern das ist eine einmalige Geschichte mit der Landesausstellung, die muss man „On top“ feiern können“, ist Vorsitzender Armin Stangl der Überzeugung. Mit ihrem Protest fordern Sie gleichzeitig ein Mitspracherecht bei künftigen Events. Ginge es nach den Gastwirten, sollte das Bürgerfest jedes Jahr stattfinden. Da bläst die FDP mit Stadtrat Karl Ettinger ins gleiche Horn, auf facebook hätten sich bereits mehr als 1.900 Unterstützer dazu gefunden. Und auch die Bürgergemeinschaft formiert sich gegen den Vorschlag des Kulturamts: „Ich war einerseits überrascht, andererseits enttäuscht, weil ich glaube, Herr Engert hätte wissen müssen, dass er nach seinem Vorstoß mit dem Sommerlenz vor einigen Jahren beim Bürgerfest eine heilige Kuh in Ingolstadt angreifen möchte, ein Fest, an dem die Bürger Ingolstadts hängen“, so Christian Lange, Stadtrat und Sprecher der BGI.

So viel Gegenwind hat Gabriel Engert wohl nicht erwartet. Gestern Nachmittag hätte sein Vorschlag zur Diskussion im Freizeitausschuss stehen sollen. Selbst in den Sitzungssaal verfolgt ihn unübersehbarer Protest, Mitglieder der Innenstadtfreunde tragen T-Shirts mit der Aufschrift: „Wir lieben unser Bürgerfest wie es ist, macht es bitte nicht kaputt.“ Mit Erfolg: Der Tagesordnungspunkt wurde kurzerhand gestrichen. Es ging dann doch wohl alles ein wenig zu schnell. Man wolle prüfen, ob das historische und das Bürgerfest nicht doch kombinierbar sind, heißt es von Stadtseite. Das Thema wird also im Ausschuss noch einmal zur Sprache kommen – das Bürgerfest 2015 ist noch nicht vom Tisch.