Wüste Beschimpfungen im Geiselnehmerprozess

Ingolstadt (intv) Schon zu Beginn der Verhandlung gibt Sebastian Q. den Vorsitzenden relativ klar zu verstehen, dass er heute am Prozess nicht teilnehmen möchte. Als die Richter den Saal betreten, weigert er sich bewusst, aufzustehen. Selbst als ihm Landgerichtsvizepräsident Jochen Bösl eine Ordnungshaft androht, zeigt er sich unbeeindruckt, beschimpft die Vorsitzenden immer wieder aufs Übelste. Die Verhandlung musste mehrmals unterbrochen werden, bis Richter Jochen Bösl eine Woche Ordnungshaft verhängte. Weil der Angeklagte auch anschließend den Prozess weiter störte, wurde er schließlich des Gerichtssaals verwiesen. Erst, als Bürgermeister Sepp Mißlbeck als Zeuge aussagte, hatte der Angeklagte wieder die Möglichkeit, an der Verhandlung teilzunehmen. Während Mißlbeck die Ereignisse des 19. August 2013 noch einmal Revue passieren ließ, verhielt sich Sebastian Q. überraschend ruhig, wirkte fast schon interessiert an den Ausführungen seiner ehemaligen Geisel. „Alter Mann, du bist der Erste mit der Kugel im Kopf“ – mit diesen Worten soll der Angeklagte dem Bürgermeister gedroht haben. Weiter schilderte Mißlbeck, dass die Geiseln kein Wort miteinander reden durften und alle Taschen leeren mussten, bevor sich Sebastian Q. mit ihnen in einem Büro verschanzte. Mißlbeck sei auch ein Jahr nach der Geiselnahme innerlich noch aufgewühlt, er habe sich damals verantwortlich gegenüber den anderen Geiseln gefühlt. Die Verhandlung wird am Montag fortgesetzt.