Wo sind die Hebammen? Geburtshaus Ingolstadt kurz vor Schließung

Ingolstadt (intv) Erst hat die Geburtsstation in Schrobenhausen schließen müssen, kürzlich in Aichach dasselbe und jetzt kämpft auch das Geburtshaus in Ingolstadt um das Überleben. Der Grund: fehlende Hebammen. Geburtshaus-Leiterin Sabine Schmuck und eine Gruppe von Müttern wollen aber noch nicht aufgeben. Ein Hilferuf aus Ingolstadt an alle Hebammen.

Sabine Schmuck ist am Ende ihrer Kräfte angekommen. Seit 30 Jahren ist sie Hebamme mit Leib und Seele. Seit 16 Jahren steckt sie ihre ganze Energie in das Geburtshaus und in die Betreuung der werdenden Mütter. Die Anfragen steigen kontinuierlich. Heuer hat sie schon 100 Babys auf die Welt geholt. „Und das schaffe ich alleine nicht mehr. Man sagt für eine außerklinische Geburtshilfe so ca 30 Geburten im Jahr und das wäre jetzt das Dreifache. Das geht nicht mehr. Und da habe ich schon so vielen Müttern absagen müssen. Ich versuch das jetzt noch bis 31.05.2019 so weit es geht allein zu stemmen.“

Bis dahin hofft Schmuck, dass sich noch ein paar Hebammen bei ihr melden.
Das Geburtshaus liegt ihr sehr am Herzen. Genauso wie das Recht einer jeden schwangeren Frau, sich aussuchen zu können wie und wo sie ihr Kind zur Welt bringt. Der größte Unterschied zu einer Klinikgeburt liegt im Physiologischen. Physiologische Geburt bedeutet, dass der Körper der Mutter Hormone produziert, die die Geburt ermöglicht. Dabei wird in den hormonellen Prozess nicht eingegriffen. Ebenso wichtig ist, „dass die Mütter einen geschützten Raum haben, wo sie ihre Kinder in Ruhe und in der Zeit, die sie brauchen, bekommen können“, erklärt Schmuck.

Aspekte, die auch für Dorina Egger bei den Geburten ihrer beiden Töchter wichtig waren. Sie befürchtet katastrophale Entwicklungen für die Zukunft: „Die Mütter, die nicht in der Klinik gebären wollen, sondern zu Hause bleiben wollen, haben vielleicht Komplikationen und schaffen es nicht mehr ins Krankenhaus und das alles ohne Hebamme. Schlimm sich so was auszumalen, aber dahin kommen wir irgendwann oder, wenn der Weg zu weit ist, werden immer mehr Kinder im Auto geboren.“

Die nächsten vergleichbaren Geburtshäuser liegen in München oder Nürnberg.
Deswegen setzt sich Dorina Egger mit einer Gruppe aus rund 70 Müttern für das Bestehen des Geburtshauses ein, wenden sich an die Medien, sammeln Geld für Zeitungsannoncen und haben schon Politiker angeschrieben. Es gibt jetzt auch Studiengänge für Hebammen. Zwar ist das Studium eine Möglichkeit, allerdings sollte es nicht die einzige Möglichkeit sein, um Hebamme zu werden, wie Schmuck sagt. Denn für sie ist das Handwerk Hebamme kein Beruf, sondern eine Berufung.