WLTP sorgt für Kurzarbeit

Ingolstadt (intv) WLTP – Dahinter verbirgt sich das weltweite Testverfahren, mit dem der Kraftstoffverbrauch und die Abgasemissionen eines Autos gemessen werden. Seit September muss jeder Neuwagen das neue Testverfahren durchlaufen. Das hat zur Folge, dass im Moment weniger Autos produziert werden. Auch Audi hat die Fahrweisen in der Produktion angepasst. Das bekommen vor allem die Mitarbeiter in den Zulieferfirmen in Form von Kurzarbeit zu spüren.

Scherm, Ideal, KS-Logistik – drei Betriebe im Ingolstädter Güterverkehrszentrum, die im Moment Kurzarbeit angemeldet haben. Gewerkschaftsvertreter Christian Daiker weiß von acht Betrieben, die ihre Mitarbeiter im Moment weniger beschäftigen als normal. „Es ist ein Problem, das wir hier im GVZ haben. Aber die Kurzarbeit ist das beste Instrument, das wir hier sehen“, so Daiker.

Denn Kurzarbeit bedeutet, die Firmen wollen Arbeitsplätze sichern. Die wohl schlimmste Alternative wären Kündigungen. Roman Martini und Andreas Kraft sind von der Kurzarbeit bei Scherm betroffen. Sie haben zwar Verständnis für die Situation, am Ende fehlt ihnen aber trotzdem das Geld auf dem Konto. Etwa 100 Euro weniger landen derzeit bei Roman Martini. „Die Leute, die jetzt schon wenig Geld haben, müssen das ausbüsen“, sagt er gegenüber intv.

Bis Ende des Jahres dauert die Kurzarbeit bei Scherm noch an. Dann wird neu verhandelt. Angst um den Job haben Martini und Kraft aber nicht. „Ich seh das ganz optimistisch. Audi hat schon mehrere solche Situationen gehabt“, so Kraft.

Bei Audi selbst ist Kurzarbeit im Moment kein Thema. Mit den Zulieferbetrieben sei man stetig in Kontakt, was die Produktionsplanung angeht. Die Fahrweise auf den Produktionslinien beschließt der Ingolstädter Autobauer ständig neu. „Unternehmensleitung und Betriebsrat setzen sich zusammen und entscheiden mit Blick auf das Ende des Monats für den Folgemonat“, so ein Unternehmenssprecher. Wie lange die geringere Fahrweise noch für Kurzarbeit sorgen wird, kann im Moment niemand sagen.

Fakt ist: ein Unternehmen kann nicht einfach so seine Mitarbeiter weniger beschäftigen. Stefan Fiala prüft für die Arbeitsagentur, ob ein Betrieb das Instrument Kurzarbeit einsetzen darf. „Wir brauchen einen erheblichen Arbeitsausfall mit Entgeltausfall, rein finanzielle Verluste des Unternehmens können wir nicht unterstützen.“, so Fiala.

Wenn ein Betrieb Kurzarbeit anmeldet, übernimmt die Arbeitsagentur im Schnitt etwa 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohnes. In der Regel schafft es der Betriebsrat auszuhandeln, dass das Unternehmen das Entgelt zusätzlich aufstockt. So ist es zum Beispiel bei Scherm. Roman Martini und Andreas Kraft hoffen trotzdem, dass sie bald wieder den vollen Lohn auf dem Konto haben.