„Wir genießen das Leben in vollen Zügen“

Ingolstadt/Pfaffenhofen (intv) Trillerpfeife und Handkelle sind ihre täglichen Begleiter. Harry Welker und seine Frau Kerstin haben den großen Schritt gewagt und noch einmal komplett neu angefangen. Als Zugbegleiter bei der Deutschen Bahn. „Uns ist klar, wir haben noch 12 Jahre zu arbeiten, wir wollen keine Insolvenz mehr mitmachen. Wir möchten Ruhe in unser Leben bringen, wir werden älter, deshalb haben wir gesagt, wir probieren es. Und haben uns beworben“, erinnert sich Kerstin Welker. Das Vorstellungsgespräch war an ihrem Hochzeitstag. Da kann ja nichts mehr schief gehen.

Nach bestandenem Einstellungstest wartet die Funktionsausbildung zum Kundenbetreuer, stark verkürzt auf drei bis sechs Monate. Für die Prüfungen haben die beiden zusammen gepaukt.

Rund 5.000 Menschen in unserer Region sind derzeit arbeitslos gemeldet. Ein bedeutender Anteil von 40 Prozent sind dabei über 50 Jahre alt. Für Menschen gehobenen Alters wird es zusehends schwieriger, einen Job zu finden. Dabei punkten sie mit Lebenserfahrung und Loyalität dem Unternehmen gegenüber, so die Arbeitsagentur Ingolstadt. Sie stellt positive Beispiele heraus, bei denen die Vermittlung zurück in den ersten Arbeitsmarkt geklappt hat. Darunter auch das Zugbegleiter-Ehepaar aus Pfaffenhofen.

Dabei hat sich das Ehepaar mit über 50 nochmals einer ganz neuen Herausforderung gestellt und viel neues dazulernen müssen. „Die Ausbildung ist gestaffelt. Die ersten drei Monate war es Fahrkartentechnik, das Gerät kennenlernen, Tarife und danach der betriebliche Teil: Wagentechnik, Bremsen. Wir sind für die Sicherheit an Bord verantwortlich, wir müssen uns da auskennen“, betont Welker.

Seit gut einem Jahr arbeiten die beiden nun als Kundenbetreuer im Nahverkehr. Ihre Stammstrecke ist die Regionalbahn zwischen Nürnberg und München. Fahrkarten abknipsen gehört genauso dazu wie Zug- und Bahnsteigkontrolle oder Signaldeutung. Oberste Priorität ist natürlich Pünktlichkeit und natürlich Freundlichkeit. Über ihre zwischenmenschlichen Erlebnisse an Bord des Zuges könnten die beiden sicherlich ein Buch schreiben.

Das Ehepaar Welker ist laut der Arbeitsagentur Ingolstadt ein Paradebeispiel dafür, sich trotz Arbeitslosigkeit nicht hängen zu lassen und die Herausforderung eines Neuanfangs zu wagen.