Windkraftprojekt in der Scharnitz abgesagt

Gachenbach (intv) Man könnte von einem wahren Sturm der Entrüstung sprechen, der sich bei den Bürgern von Gachenbach breit gemacht hat, als es um das Thema Windkraftanlagen ging. In den vergangenen Monaten stießen die Pläne der Gemeinde, zusammen mit der Schrobenhausener SoL Energie GmbH und den Bürger-Energiegenossenschaften aus dem Landkreis zwei Windkraftanlagen in der Scharnitz zu errichten, auf heftigen Widerstand. In der jüngsten Gemeinderatssitzung erklärte Bürgermeister Lengler jetzt: die über 200 Meter hohen Kolosse werden nicht gebaut.

Kein Windrad im Windradgebiet?

Skurrilerweise soll das Wäldchen an der B300 dennoch als Vorrangfläche für Windenergieanlagen ausgewiesen werden. Mit nur einer Gegenstimme sprach sich der Gemeinderat dafür aus, ein Angebot für die dahingehende Fortschreibung des Flächennutzungsplans einzuholen. Der Nutzen der widersprüchlich erscheinenden Aktion liegt auf der Hand, so Lengler: „Damit verhindern wir Wildwuchs, denn durch die derzeitige 10H-Regelung hätte trotzdem jeder private Investor die Möglichkeit, Windräder im Gemeindegebiet zu bauen“. So habe man quasi die Hand drauf; der künftige Bau von Windkraftanlagen könne dann nur durch das Einverständnis der Gemeinde stattfinden und wäre auf das Gebiet in der Scharnitz begrenzt.

„Damit gibt die Gemeinde das Heft nicht aus der Hand und bleibt am Thema Energiewende dran“, kommentierte Wolfgang Braun den Beschluss. Der Diplomingenieur ist Geschäftsführer der SoL Energie und projektiert regenerative Energievorhaben im südlichen Landkreis. „Dieses Gebiet hat durch seine Höhenzüge gute Voraussetzungen – wir stehen quasi im Wind“, so Braun.

Bürger laufen Sturm

Anders sehen das viele Gachenbacher Bürger, die sich Ende November in einer Befragung zu 54% gegen das Scharnitz-Projekt ausgesprochen hatten. „Unsere Gemeinde und die Nachbargemeinde Kühbach erzeugen schon jetzt 460% des verbrauchten Stroms selbst – durch Photovoltaik, Biogas oder Hackschnitzelheizungen“, sagt Martin Kappelmaier, der eine Aufklärungskampagne für seine Mitbürger gestartet hat. Windkraft sei zudem in Bayern nicht lukrativ, sondern eine Kostenfalle für den Verbraucher, so der Gachenbacher. Auch Karl Sigl aus Peutenhausen möchte in der Scharnitz keine Windräder sehen: „Die Wallfahrtskirche Maria Beinberg ist nur 1.400 Meter entfernt – die wäre schön verschandelt“, so Sigl. Der Abstand zu den ersten Wohnhäusern Westerhams gar betrage nur einen Kilometer.

Einen ausführlichen Bericht zum Thema Windkraft sehen Sie am Freitag ab 18:30 Uhr in unserer Sendung Studio Schrobenhausener Land.