„Who cares?“: Ausstellung über Pflege im Stadtmuseum

Ingolstadt (intv) Kaum ein Aspekt ist in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft derzeit so präsent wie der demografische Wandel. In den nächsten 50 Jahren verändert sich die deutsche Altersstruktur gravierend: Jeder Dritte wird über 65 Jahre alt sein. Diese Prognose – alarmierend auch für das mangelnde Pflegepersonal. Eine Ausstellung im Stadtmuseum thematisiert die Problematik und wirft die Frage auf: „Who cares?“ Die Wanderausstellung zur Krankenpflege wurde vom Medizinhistorischen Museum der Charité in Berlin entwickelt, derzeit wird sie im Stadtmuseum aufgebaut. Kuratorin Isabel Atzl hat ihren ganz persönlichen Hintergrund miteinfließen lassen. Sie ist gelernte Krankenschwester und war 10 Jahre in der Pflege tätig. „Von daher war es mit sehr wichtig, diese Ausstellung zu machen und auch möglichst aus der Sicht der Pflegenden und nicht aus der Sicht einer anderen Berufsgruppe. Es wird immer sehr viel über die Pflege, aber sehr wenig mit der Pflege gesprochen“, betont Isabel Atzl, Kuratorin der Ausstellung.

In zweitgeteilter Konzeption wirft die Ausstellung sowohl einen Blick auf die Geschichte der Krankenpflege, als auch auf moderne Fragestellungen zum steigenden Pflegebedarf. „Die Idee dahinter ist, dass man in der Ausstellung durch die Geschichte der Krankenpflege  geht. Etwas über die Entwicklung lernt um dann vielleicht auch einiges in der Gegenwart besser zu verstehen. „Who cares?“ soll vor allem auch Raum bieten, um über den Pflegeberuf, über die Aufgabenfelder zu diskutieren und darüber, wie wir mit Krankenpflege heute umgehen“, erklärt die Kuratorin während eines Rundgangs durch die Ausstellung. Den Abschluss bildet ein spezieller Ingolstädter Teil, eine Kooperation aus dem Stadtmuseum, dem Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt und dem Bayerischen Armeemuseum. „Ingolstadt war wichtige Garnisonsstadt und hatte für den Ersten Weltkrieg zwei Reservelazarette eingerichtet. Das größte, das Eisenbahnausbesserungswerk war eine riesige Halle, wo 1.500 Verletze gleichzeitig versorgt werden konnten. Insofern ist Kriegskrankenpflege für Ingolstadt ein großes Thema“, so Marion Ruisinger, Leiterin des Medizinhistorischen Museums.

Auch das stationäre Krankenbett, das in der Ausstellung zu sehen ist, ist original Ingolstadt – eine Leihgabe des Klinikums. Intensiv erfahrbar wird die Ausstellung in der sogenannten Grenzerfahrung. Dort werden Hörbeispiele gezeigt, wie Krankenpflege im Alltag aussehen kann, mitsamt ihrer Schattenseiten.“Who cares?“ – Ein modernes Thema, dem sich künftig wohl niemand in unserer Gesellschaft entziehen kann.