Wenn Trauern zur Krankheit wird

Halsbach/Öd (intv) Vier Tage, Fünf Wochen, ein Jahr – wie lange darf man um einen geliebten Menschen trauern? Jahrelang haben sich Mediziner auf der ganzen Welt darüber gestritten. Jetzt geht der Streit sogar noch in eine neue Runde. Denn seit Pfingsten gibt es in den USA den Diagnosekatalog DSM5. Und der schreibt vor, dass Menschen, die länger als zwei Wochen trauern und noch dazu Symptome wie Antriebslosigkeit, Schlafstörung und Appetitlosigkeit zeigen, automatisch als depressiv gelten. Hierzulande kommt zwar nicht der Diagnosekatalog DSM5 sondern das Klassifizierungssystem ICD10 zum Einsatz, trotzdem sind die Mediziner alarmiert. Denn sie befürchten, dass viele Trauernde jetzt vorschnell als psychisch krank abgestempelt werden. Bislang durfte Trauernden in ihren schweren Stunden keine Depression nachgewiesen werden und das – wie es scheint – aus gutem Grund: 80 Prozent der Trauernden fanden nämlich auch ohne psychotherapeutische Hilfe oder Medikamente zurück ins Leben. Ist der neue Katalog also ein Rück- oder ein Fortschritt? Die Kinderpsychologin Andrea Preschl-Mießl aus Halsbach gibt zu bedenken, dass es schon jetzt zu wenig Hilfe für Kinder und Jugendliche gibt – oftmals warten gerade diese Altersgruppen sehr sehr lange auf einen Therapieplatz. Und auch Lara Schmidt aus Öd warnt davor, Trauer in eine Form zu pressen, schließlich trauere jeder Mensch anders.