Wenn die Flucht im Gefängnis endet

Eichstätt (intv) Acht Quadratmeter – so groß ist eine Zelle. In der künftigen Abschiebehaftanstalt Eichstätt warten demnächst bis zu 100 Flüchtlinge auf ihre Abschiebung. Hier werden Flüchtlinge untergebracht, die Straftaten begangen haben, mögliche Gefährder. Aber auch Asylsuchende, die drohen unterzutauchen, um ihrer Abschiebung zu entgehen.

Die Aufenthaltsdauer ist deshalb sehr kurz, dementsprechend ändert sich auch der Alltag in nun Bayerns einzigem Abschiebegefängnis.

Derzeit allerdings herrscht noch immer Großbaustelle. Die Haftanstalt wird gerade auf den neuesten Stand gebracht, von Grund auf entkernt, generalsaniert. Es soll auch eine umfangreichere Sicherheitsanlage geben.

Männer und Frauen werden strikt getrennt. Sie dürfen sich aber tagsüber innerhalb der Gefängnismauern frei bewegen, Frauen sogar nachts auf ihrem Stockwerk. „Die rechtlichen Grundlagen sind ganz anders, als die im Umgang mit Strafgefangenen. Die Flüchtlinge müssen nicht arbeiten, sie werden hier nur sicher untergebracht, eine Verwahrung, wobei wir ja gegenüber Gefangenen einen Behandlungsauftrag hatten. Das ist natürlich auch eine Umstellung für die Mitarbeiter, die nun mehr versorgend und sichernd tätig sein werden“, erklärt Anstaltsleiter Friedhelm Kirchhoff.

Um den Anforderungen gerecht zu werden, hat Kirchhoff seine Mannschaft an Beamten auf 40 aufgestockt. Psychologen und Sozialarbeiter sind fest im Haus. Sprachcomputer sollen mögliche Barrieren in der Kommunikation abbauen. Für die Abschiebung ist das Innenministerium zuständig. Laut Kirchhoff wäre die Sanierung nie so schnell gegangen, wenn sich Eichstätt nicht als Abschiebegefängnis zur Verfügung gestellt hätte. Probebetrieb ist für April angesetzt. Die ersten Flüchtlinge sollen im Juni 2017 kommen.

Nimmt Eichstätt seinen Dienst auf, wird auch das bisher einzige Abschiebehaftanstalt Mühldorf am Inn wieder ein normales Gefängnis.