Weil sie ihr Kind getötet hat: Muss die Mutter in die Psychiatrie?

Ingolstadt / Baar-Ebenhausen (intv) Was muss passieren, dass eine Mutter ihr eigenes Kind umbringt. Mit dieser Frage beschäftigt sich seit heute das Landgericht Ingolstadt. Angeklagt ist die Frau aus Baar-Ebenhausen, die im April vergangenen Jahres ihren dreijährigen Sohn getötet haben soll. Und eine weitere Frage stellen sich alle, die dieser Fall aufwühlt: Wer ist die Frau, die so etwas Grausames gemacht haben soll.

Die 37-jährige schweigt, sitzt nach vorne gebeugt und reibt sich wiederholt die Hände auf den Oberschenkeln. Und sie zittert – immer wieder. Möglicherweise ist das ein Hinweis auf die psychische Erkrankung.

Mit dieser Krankheit musste sich die erste Strafkammer des Landgerichts Ingolstadt noch vor der Verlesung der Anklageschrift beschäftigen. Die beiden Verteidigerinnen beantragten, dass die Öffentlichkeit von dem gesamten Prozess ausgeschlossen bleibt. Die 37-jährige Diplom-Pädagogin ist seit April in einer psychiatrischen Klinik untergebracht, sie litt bereits vor der Tat unter Wahnvorstellungen.

Gerichtssprecherin Heike Linz-Höhne erklärt, „Deswegen handelt es sich nicht um eine Anklageschrift sondern um einen Antrag zur Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. In diesem Fall sieht das Gesetz vor, dass zum Schutz der Persönlichkeit der Angeklagten die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden kann. Das Gericht hat darüber beraten und dem Antrag stattgegeben.“

Das Gesetz wägt ab zwischen Interesse der Öffentlichkeit und Persönlichkeitsschutz. Hier überwiegt Persönlichkeitsschutz. Allerdings sieht das Gesetz vor,d ass am Ende die Urteilsverkündung öffentlich sein wird.

Deshalb wird die Öffentlichkeit wenig darüber erfahren, was genau in der Nacht zum 11. April 2018 in diesem Wohnhaus in Baar Ebenhausen geschehen ist. Die gelernte Diplom-Pädagogin lebte nach ihrer Scheidung dort als Hausfrau mit dem Jungen. In den frühen Morgenstunden des Mittwochs soll die Frau den Dreijährigen mit einem Messer am Hals so schwer verletzt haben, dass er starb. Danach zündete sie sich selbst an und überlebte mit schweren Verbrennungen. Zwei Wochen danach wies sie ein Gericht in eine psychiatrische Klinik ein.

Bis dahin wird auch die brennendste Frage offen bleiben – nämlich die nach dem Warum – was ist passiert, dass eine Mutter das Leben ihres eigenen kleinen Kindes beendet.