Erste Weichenstellung für Bahnhalt am Audi-Gelände

Ingolstadt (intv) Theoretisch ist es ein Ding der Unmöglichkeit. Ein Produktionsstandort mit 35000 Mitarbeitern ohne eine direkte Schienenanbindung. Anders als bei der Konkurrenz in München und Stuttgart sind die „Audiander“ tagtäglich auf Privatauto oder öffentlichen Personennahverkehr angewiesen, Bahnpendler steigen am Nordbahnhof erst in die Busse der INVG, und von dort zum Arbeitsplatz in Verwaltung, Technik oder Produktion. Dabei führt die Bahnstrecke München-Nürnberg direkt durch das Gelände, doch ein Schienenhalt ließ sich bisher nicht realisieren, das soll sich ändern, zumindest hat die zuständige Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) einen 200 Meter Gleis-Bereich im Norden des Geländes als potentiellen Standort eingestuft.

Eine wichtige Weichenstellung, schließlich ist das Projekt seit mehr als zwanzig Jahren eine politische Forderung, vor allem bei den ökologisch orientierten Gruppierungen ÖDP und Grüne. Mittlerweile steht der Bahnhalt in den Wahlprogrammen aller Parteien ganz oben an, nicht zuletzt aufgrund der Verkehrssituation rund um das Audi-Gelände, trotz stetigem Ausbau gerät das Straßennetz zu Stoßzeiten an seine Kapazitätsgrenzen, Bei schienengebundenen Projekten aber gibt sich der Freistaat knausrig, erst 2020 wären Fördergelder frei, so wollen Stadt und Audi gemeinsam Planung und Bau der Haltestelle vorfinanzieren, rund 11 Millionen würde eine einfache, etwa 15 Millionen eine etwas aufwändigere Version kosten.

Vor allem Audi gibt Gas, bei mindestens 3000 sieht der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Max Wäcker das Fahrgastpotenzial. Ein Bahnhalt als Standortfaktor passt in Zeiten einer möglichst schadstoffarmen Mobilität bestens zum Image. Die Gespräche über die nächsten Schritte laufen. „Da fehlt es noch an politischem Druck“ meint ein Insider und verweist auf die seiner Einschätzung nach eher träge Aufgabenbewältigung der staatlichen BEG. Einen Hoffnungsschimmer sieht ÖDP-Stadtrat Franz Hofmaier, offensichtlich ziehen jetzt alle Beteiligten an einem Strang,so seine Eindruck, ein Stundentakt allerdings könne nur der Anfang sein, „Vielleicht ist das Projekt jetzt auch ein Ansporn den ÖPNV-Verkehrsverbund mit den Landkreisen zu forcieren“ so Hofmaier. Ein Park-and-Ride-System an allen Bahnhöfen entlaste die Straßen der Region nachhaltig.