Wahlfreiheit zwischen G8 und G9: Volksbegehren startet

Ingolstadt (intv) Der Druck auf die CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag wächst. Das sogenannte „Turbo-Abi“ steht seit Längerem stark in der Kritik. Der Protest am G8 seitens der Lehrer, Eltern und Schüler wurde in den vergangenen Monaten immer lauter und könnte schon bald die Regierungspartei zur Reform der Reform bewegen. Denn heute startet das Volksbegehren der Freien Wähler: Sie fordern eine Wahlfreiheit zwischen dem acht- oder neun-jährigen Gymnasium. Die Ingolstädter Parteianhänger wollen mit gutem Beispiel vorangehen: Sepp Mißlbeck und Peter Springl, FW-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, unterschreiben das Volksbegehren Bildung braucht Zeit. Denn davon sind sie überzeugt: „Ich habe auch mehrere Kinder, die am Gymnasium sind und ich stelle fest, dass das G8 nicht das Wahre ist und um die Richtung in G9 zu lenken, habe ich heute meine Unterschrift geleistet“, so Peter Springl.

Des Volkes Stimme ist wieder einmal gefragt. Nötig sind zehn Prozent der Stimmberechtigten in Bayern – das entspricht etwa einer Million Bürger. Ab heute ist die Eintragung bis zum 16. Juli möglich. Neben dem Foyer des Neuen Rathauses haben auch Eintragungslokale beispielsweise in den Schulen Etting, Gerolfing und Zuchering für Berufstätige von 18:30 bis 20 Uhr geöffnet. „Wahlberechtigt sind alle Deutschen, die seit mindestens drei Monaten in Bayern wohnen und sie müssen hier in Ingolstadt in ein Wählerverzeichnis eingetragen sein“, erklärt Wahlamtsleiter Andreas Perlinger.
„Mehr Zeit zum Lernen, mehr Zeit zum Leben“: Der Gesetzentwurf sieht vor, Schulen selbst entscheiden zu lassen, ob sie ausschließlich G8 oder G9 anbieten, oder beides parallel. Das allerdings in der Praxis eine Mammutaufgabe für die Schulen. Die Rückkehr zum G9 fordert nicht nur die FW. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband, sowie der Philologenverband stehen dem Volksbegehren positiv gegenüber, das Bildungswerk Bayern ruft seine Mitglieder sogar aktiv zum Eintragen auf. Viele sind der Ansicht: Eine 35-Stunden-Woche und bis zu 15 Fächer parallel – da laste eindeutig zu viel Druck auf den Schülern. So argumentiert auch Katharina Titz, Schülersprecherin am Katharinengymnasium: „Viele sagen, sie würden lieber wieder ins G9 zurück, weil auch der Druck ziemlich hoch ist, vor allem in der Oberstufe. Wenn die Schüler in der K13 damals nur 18 Wochenstunden hatten und ich jetzt in der Q11 schon 38 Wochenstunden habe, das ist schon ein extremer Unterschied.“ Darüber hinaus sind drei bis vier Nachmittage die Woche Standard.

Schüler bräuchten mehr Zeit zum Lernen und zum Leben, ins gleiche Horn stößt Eva Gottstein, Landtagsabgeordnete der Freien Wähler.  Ihrer Meinung nach stehe Horst Seehofers Partei unter Druck. Ginge das Volksbegehren durch, wäre ein Gegenvorschlag vorzulegen: „Unser Kultusminister, speziell die CSU-Fraktion möchte keine weitere Schlappe nach den Studiengebühren eingestehen und ist strikt dagegen. Und deswegen haben wir derzeit auch so verhärtete Fronten. Wir sehen das ganz klar als Zögern des Kultusministers. Er hätte längst einen Vorschlag machen können.“

Erst nach dem Volksbegehren will sich die CSU positionieren. Laut Gottstein ist aber eines klar – es wird sich etwas ändern. Ob dann aber auch Ruhe an Bayerns Gymnasien einkehren wird – das steht auf einem anderen Blatt.