Vor 70 Jahren: Einmarsch der Amerikaner in Jetzendorf

Jetzendorf (intv) Die Angst ging um in Jetzendorf heute vor genau siebzig Jahren. Hatte das Dorf den Zweiten Weltkrieg bislang beinahe unbeschadet überstanden, so war sich niemand sicher ob sich das mit dem Eintreffen der Amerikaner nicht ändern würde. Und tatsächlich sollte sich die Lage an diesem Tag dramatisch zuspitzen. Besonders gefährlich wurde es für die heute 81-jährige Johanna Horner und ihre Familie.

In dem beschaulichen Ort Jetzendorf im Landkreis Pfaffenhofen ging es schon Wochen vor dem Eintreffen der Amerikaner am 28. April 1945 alles andere als ruhig zu. Die deutschen Truppen wurden immer weiter ins Landesinnere zurückgedrängt. Die flüchtenden Soldaten zogen Nacht für Nacht durch Jetzendorf.

Einige der deutschen Soldaten waren von der Flucht bereits so erschöpft, dass sie in dem Ort einen Unterschlupf suchten. So wollten auch zwei hochrangige Soldaten am 28. April 1945 bei der Familie von Johanna Horner etwas ruhe finden. Doch nur eine halbe Stunde nachdem sie sich in deren Haus zur Ruhe gelegt hatten wurden sie von anderen Soldaten wieder geweckt. Der Grund: Die Amerikaner waren bereits in Scheyern, es galt schnellstmöglich zu flüchten.

Und tatsächlich waren schon kurz darauf die ersten amerikanischen Panzer zu sehen. Johanna Horner und ihre Familie versteckten sich im Keller, als Schüsse fielen. Erst später erfuhr sie, dass ein französischer Kriegsgefangener, der in der ansässigen Brauerei lange gefangen gehalten wurde, sich mit Hilfe eines Amerikaners am Braumeister gerächt hatte. Dieser soll die Gefangenen äußerst schlecht behandelt haben. Die Quittung dafür bekam er an diesem Tag serviert. Einer der Männer klingelte an seiner Haustür. Als der Braumeister das Fenster öffnete, um zu sehen wer da war, erschoss ihn der Amerikaner kurzerhand.

ies sollten nicht die einzigen Schüsse an diesem Tag sein. Einige davon brachten Johanna Horners Familie in große Gefahr. Der Braumeister hatte zuvor deutschen Soldaten befohlen Jetztendorf in jedem Fall zu verteidigen. Einige der Soldaten schossen daher auf die amerikanischen Panzer. Die Schüsse kamen aus der Richtung, in der das Haus von Johanna Horners Familie stand. Die Amerikaner dachten, von dort würde geschossen und schossen daher auf das Gebäude. 16 Menschen befanden sich zu der Zeit dort im Keller, die in diesem Moment um ihr Leben fürchteten. Doch sie hatten einen Schutzengel. Die Schüsse endeten so plötzlich wie sie angefangen hatten. Die Familie trat mit erhobenen Händen aus dem Haus und musste, als klar war, dass keine Nazis unter ihnen waren, nichts mehr von den Amerikanern befürchten. Eher im Gegenteil. Die Soldaten kümmerten sich rührend um die Kinder im Dorf, versorgten sie mit Süßigkeiten und Medizin. Der Krieg war für Johanna Horner und ihre Familie von diesen Tag an endgültig vorbei.