Veronika Peters und Christian Lösel im Kreuzverhör

Ingolstadt (intv) Innerhalb weniger Minuten waren gestern Abend die Plätze im DK-Forum belegt.

Mehr als 300 Gäste wollten das Rededuell der beiden OB-Kandidaten Veronika Peters, die für die SPD ins Rennen geht, und Christian Lösel (CSU) live verfolgen.

Der Abend erinnerte dabei mehr an eine gepflegte Diskussion unter Freunden, die sich gegenseitig schätzen und achten als an einen knallharten verbalen Schlagabtausch zweier politischer Gegner. Und obwohl die beiden Chefredakteure Simon Schmaußer von intv und Gerd Schneider vom Donaukurier den Finger ordentlich in die Wunde legten, blieben die ganz großen Emotionen aus. CSU-Kandidat Christian Lösel, ganz der Herr der Zahlen, glänzte durch Sachlichkeit und Fachwissen. Veronika Peters dagegen zeigte sich ab und an durchaus angriffslustig, blieb inhaltlich aber eher blass.

Mit ihr werde es kein „Weiter so“ geben. Die Bürger hätten die Wahl: „Verwaltungslaufbahn oder Lebenserfahrung? Bürgerkonzern oder Heimatstadt?“. Lösel dagegen will ein „Weiter so“, immerhin habe die Stadt einen fulminanten Aufstieg hingelegt und das sei auch seiner Partei zuzuschreiben.

Als es um das Kongresshotel auf dem Gießereigelände ging, nahm die Diskussion an Fahrt auf. Veronika Peters räumte ein, einen Fehler gemacht zu haben. Sie persönlich sei mittlerweile gegen das Kongresshotel. Als Ingolstädterin blute ihr das Herz. Aber sie meinte zu Christian Lösel etwas süffisant: „An dieser Entscheidung ist nicht mehr zu rütteln, du bekommst dein Kongresshotel als Denkmal oder was auch immer.“

Was den viel gepriesenen Investor angeht, ist Lösel optimistisch. „Wir sind mit vier verschiedenen Parteien im Gespräch. Mit konkreten Ergebnissen werden wir noch vor Ende des Kommunalwahlkampfes raus gehen. Wenn man mit vier Leuten reden, bleibt am Ende auch einer übrig.“

Damit war das Quartett auch schon bei Lösels Lieblingsthema angekommen: die Innenstadt und die Verbindung von Fußgängerzone und Gießereigelände. Er möchte das Gießereigelände besser an die Innenstadt anbinden. Lösel verwies auch auf zahlreiche Projekte, die er erfolgreich angestoßen hatte wie etwa die Winterlounge, die Winterzauber-Eisarena auf dem Paradeplatz, den Donaustrand oder den geplanten Donauwurm am Baggersee.

Mit solchen Lappalien will sich Unternehmerin Peters dagegen nicht aufhalten. Sie hat das große Ganze im Blick, wie sich mehrfach hervorhob. Was das allerdings konkret bedeutet, blieb auch gestern Abend schemenhaft. Ein Wahlprogramm hat die SPD ganz im Gegensatz zur CSU nämlich noch nicht vorgelegt.

Ihre Vision machte Peters aber deutlich. „Ingolstadt braucht eine neue politische Kultur. Keine Parteisoldaten, nichts Homogenes.“ Und die Themen Wohnen, Verkehr und Innenstadt gehören für sie zusammen. Eine intelligente Gesamtlösung müsse her. Über so manche inhaltliche Leere lächelte Peters gekonnt hinweg und appellierte an die Gefühlsebene der Zuhörer. Die quittierten es mit Applaus.

Auch für Lösel gab es Beifall. Er parierte selbstbewusst und führte an, dass das letzte CSU-Wahlprogramm fast vollständig umgesetzt wurde.

Die Donau müsse in seinen Augen stärker an die Altstadt herangebracht werden. Er könne sich dabei auch vorstellen an der Schlosslände den Verkehr zu reduzieren. Auch eine weitere Donauquerung im Westen der Stadt könnte sich der OB-Referent vorstellen. Man müsse es prüfen. In den Augen von Peters dagegen ist die Tunnel-Idee ein teures Placebo. Man müsse die Verkehre gleichberechtigt betrachten. Lösel führte an, dass der OB persönlich für den Audi-Bahnhalt kämpft.

Das Fazit des Abends nach eineinhalb Stunden: zwei Kandidaten, zwei Visionen: Bei Veronika Peters das bürgernahe große Ganze verpackt in einem neuen Politikstil und bei Christian Lösel die Fortsetzung des Altbewährten, der Ingolstädter Erfolgsgeschichte, aufgepeppt durch  etwas frischem Wind.

Alles in allem war es ein Duell auf Augenhöhe.

Die komplette eineinhalbstündige Diskussionsrunde sehen Sie am Sonntag um 18, 21 und 23 Uhr auf intv.