Verkehrsunglück oder Selbstmord?

Ingolstadt (intv) Die Richter am Landgericht bekamen heute umfangreiche Einblicke in Unfallanalytik. Polizisten und Rettungssanitäter schilderten im Zeugenstand, was sie am 19. Februar 2011 an der Unfallstelle auf der B13 zwischen Friedrichshofen und der Gabel vorgefunden hatten. Zwei Fahrzeuge prallten auf gerader Strecke mit voller Wucht aufeinander, beide Fahrer wurden schwer verletzt. Der mutmaßliche Unfallverursacher saß heute auf der Anklagebank – ihm wird versuchter Mord vorgeworfen.

Den Unfall auf der B13 soll der Angeklagte Falko L. bewusst herbeigeführt haben, mit dem Ziel, sich das Leben zu nehmen. Für Staatsanwalt Jürgen Staudt sind damit die Merkmale der Heimtücke und der gemeingefährlichen Mittel gegeben, die für eine Anklage auf Mord sprechen. Zudem liegt ihm ein Abschiedsbrief des 39-jährigen Beschuldigten als Beweisstück vor, datiert auf den 19. Februar 2011, den Tag des Unfalls. Erschwerend kommt hinzu, dass Zeugen am Unfallort Alkoholgeruch bei Falko L. wahrnahmen.

Das Hohe Gericht muss nun den genauen Tat- und Unfallhergang rekonstruieren. Keine leichte Aufgabe, der Vorfall liegt bereits über drei Jahre in der Vergangenheit, Zeugen erinnern sich nur bruchstückhaft. Laut Aussagen der Rettungskräfte heute, sei der Frontalzusammenstoß zwar heftig, jedoch nicht außergewöhnlich gewesen. Der Angeklagte wurde neben seinem Auto aufgefunden, der Fahrer des entgegenkommenden Fahrzeugs war eingeklemmt und musste von der Feuerwehr befreit werden. Die Gutachter sollen nun Licht ins Dunkel bringen. Am 5. Mai gehen die Verhandlungen weiter.