Urteilsspruch im Geiselnehmerprozess

Ingolstadt (intv) Das Medienaufgebot war wie zu erwarten groß – heute Vormittag im Sitzungssaal elf. Denn der wohl spektakulärste Prozess des Jahres fand seinen vorläufigen Abschluss. Sebastian Q. ist angeklagt, vier Menschen über Stunden in seine Gewalt gebracht und in Todesangst versetzt zu haben. Im sogenannten Geiselnehmer-Prozess ist der 25-Jährige Angeklagte wiederholt durch Beleidigungen gegen Richter und Staatsanwalt ausfällig geworden. Heute nahm der psychisch schwer gestörte Geiselnehmer lächelnd seinen Urteilsspruch vor dem Ingolstädter Landgericht entgegen. Acht Jahre und drei Monate halten die Richter unter Vorsitz von Jochen Bösl für angemessen. Eine Unterbringung in der Psychatrie komme nicht in Frage: „Das kann man so zusammenfassen: Nicht jeder gefährliche Straftäter kommt automatisch in die Psychatrie. Der Angeklagte ist zielgerichet vorgegangen, er war sich seiner Tat und deren Konsequenzen bewusst und ist deshalb auch für sein Handeln verantwortlich, sodass hier eine Unterbringung in der Psychatrie aus diesen Gründen ausscheidet“ erklärt Landgerichtssprecher Gerhard Reicherl gegenüber intv.

Am 19. August vergangenen Jahres stürmt Sebastian Q. das alte Rathaus von Ingolstadt, bringt vier Menschen in seine Gewalt, darunter der dritte Bürgermeister der Stadt und sein langjähriges Stalkingopfer Tatjana S.. Eine nervenaufreibende Geiselnahme spielt sich über neun Stunden in Ingolstadt ab, bis das SEK eingreift.

Richter Jochen Bösl ordnete in seinem Urteil zudem eine fünfjährige Führungsaufsicht an, die die Geiseln auch nach der Freilassung vor Sebastian Q. schützen soll. Verteidiger Jörg Gragert scheint erleichtert, dass das Verfahren zu einem Ende kommt: „Es hat sich ja deutlich herausgestellt, dass mein Mandant eine sehr eigenwillige Persönlichkeit an den Tag legt, dass macht die Arbeit eines Anwalts nicht immer einfach.“

Die Verteidigung wird wohl keinen Gebrauch von Rechtsmitteln machen, die Staatsanwaltschaft lässt sich diese Option offen. Eines wollte der Vorsitzende dem Geiselnehmer noch mit auf den Weg geben: Begeht er nach seiner Haftentlassung wieder eine schwere Tat, führe an Sicherheitsverwahrung kein Weg mehr vorbei.

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