Urteil im Prozess um getöteten Obdachlosen

Ingolstadt (intv ) „Es tut mir leid, dass ich ihm die Flasche auf den Kopf geschlagen habe. Es war ein Fehler und man kann es nicht rückgängig machen.“ Mit diesen letzten Worten wandte sich Kay H., ohne große Emotion, an die Familie des Opfers im Saal 12 am Landgericht Ingolstadt. Mutter und Schwester des getöteten Obdachlosen verfolgten den heutigen letzten Verhandlungstag sichtlich ergriffen aus der ersten Reihe.

Kay H. soll im September vergangenen Jahres dem Geschädigten mit einer Bierflasche einen Schlag versetzt und anschließend mehrfach auf seinen Kopf eingetreten haben. Hans-Jürgen B. erstickte, nachdem er zu viel Blut eingeatmet hatte.

Nach sechs Verhandlungstagen hat das Gericht unter Vorsitz von Sibylle Dwoarzik die Fortdauer der Unterbringung von Kay H. in einer psychiatrischen Klinik, wie von Staatsanwalt Jürgen Staudt in seinem Plädoyer gefordert, angeordnet.

Der Angeklagte sei für die Allgemeinheit, wenn er nicht untergebracht und therapiert werde, gefährlich und eine wandelnde Bombe, so Dowarzik in ihrer Urteilsbegründung. Er habe das Schlimmste getan, was ein Mensch einem Menschen antun kann.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der damals 18-Jährige den Obdachlosen Hans-Jürgen B. nach einer gemeinsamen Zechtour in der Ingolstädter Alban-Berg-Straße getötet hat. Das Opfer wies 82 stumpfe Gewalteinwirkungen auf, davon 37 am Kopf. Ein Fußtritt war tödlich, da er den Nasen-Mundbereich zerstörte, wodurch das Opfer Blut einatmete und schließlich erstickte.

Die Kammer geht weiter davon aus, dass Kay H. infolge einer schweren Persönlichkeitsstörung zur Tatzeit schuldunfähig war. Das Gericht stützt sich dabei unter anderem auf das Gutachten von Landgerichtsarzt Roman Steinkirchner, in welchem er dem Beschuldigten eine dissoziale Persönlichkeitsstruktur, gesteigerte Impulsivität sowie eine Bindungsstörung attestiert.

Das Gericht sieht enormes Gewalt – und Aggressionspotential in Kay H. und ordnete daher die dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie an.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.