Urteil im „Klappmesser“-Prozess

Ingolstadt (intv) „Ihr ist nichts Dümmeres eingefallen, als zuzustechen“, beschreibt Richter Jochen Bösl den Tatbestand im sogenannten Klappmesser-Prozess. Eine 31-Jährige hat im Oktober vergangenen Jahres einem Mitbewohner der Obdachlosenunterkunft am Franziskanerwasser ein Messer in die Brust gestoßen, etwa sechs Zentimeter tief. Laut Aussage des Opfers mit mäßiger Wucht. Zeugen berichten, wie Alexandra G. selbst erschrocken über ihr Handeln gewesen und sofort vom Tatort geflüchtet ist. Den Tatbestand des versuchten Totschlags ließ Richter Jochen Bösl in seiner Urteilsbegründung deshalb fallen. Zu Gunsten der Angeklagten muss davon ausgegangen werden, dass Sie nie eine Tötungsabsicht verfolgt habe. Dennoch bleibt der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung, für die Alexandra G. heute zu zwei Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wird. Staatsanwalt Jürgen Staudt hatte auf drei Jahre und zehn Monate plädiert. „Ich hätte mir, entsprechend meinem Antrag, eine höhere Strafe vorgestellt. Die Begründung des Gerichts war durchaus schlüssig, auch mit den Gründen für eine Strafmilderung. Wir werden das Urteil jetzt prüfen und dann entscheiden, ob wir ins Rechtsmittel gehen oder nicht“, so Jürgen Staudt heute nach der Urteilsverkündung.

Die Strafe befindet sich bereits im unteren Drittel des Strafrahmens, es ist, so Bösl wörtlich, „das absolute Minimum.“ Seiner Meinung nach kann die Tat nicht losgelöst von den schwierigen Lebensbindungen im Franziskanerwasser gesehen werden. Auch die Vorgeschichte der Angeklagten muss Berücksichtigung finden. Alexandra G. ist in ihrer Kindheit von den Partnern ihrer Mutter mehrfach missbraucht worden, auf Beleidigungen sexueller Art reagiere sie deshalb mit gesteigerter Aggressivität. Laut Zeugenaussagen habe das Opfer die Angeklagte geraume Zeit vor der Tat als „Hure“ beschimpft.

Auch Sie und ihr Verteidiger prüfen nun, ob sie in Revision gehen, oder das Urteil in der Form annehmen.