Unter Spannung

Irsching (intv) Oliver Schwadtke, Leiter des Kraftwerks Irsching, steht gleich in zweifacher Hinsicht unter Spannung. Einerseits, weil er hier auf dem Gelände tagtäglich unter 400.000 Volt entlang zu den einzelnen Blöcken geht. Auf der anderen Seite ist aber auch die momentane Situation in Irsching angespannt. Denn eines der modernsten Kraftwerke Europas ist seit 2013 sogenanntes „Reservekraftwerk“ – und nur deshalb noch in Betrieb, um in Spitzenzeiten den Strombedarf zu decken. „Im besten Fall rechnen wir zur Zeit mit zehn Starts im Jahr, im Marktbetrieb sind es 250 im Jahr. Die Anlage verschleißt aber trotzdem, nur an anderen Stellen“, so Schwadtke. Die Betreiber haben deshalb die Stilllegung des Kraftwerks beantragt, ohne Erfolg. Denn Netzbetreiber TenneT verlangt, dass Irsching bis April 2019 als Reserve zur Verfügung stehen muss. Und das, obwohl das Kraftwerk seit Februar keinen Strom mehr geliefert hat. 60 Leute sind hier momentan noch beschäftigt, Langeweile kommt aber trotzdem nicht auf.
Denn Aufgabe der Mitarbeiter ist es jetzt vor allem, die Anlagen immer wieder in Startbereitschaft zu versetzen, um Verschleiß zu verhindern. Viele neue Herausforderungen für Irsching, auch für die Chefetage. „Es geht vor allem darum, die Motivation der Mitarbeiter aufrecht zu erhalten, die Ausbildung auf Stand zu halten und die Sicherheitsbedingungen zu gewährleisten“, so Schwadtke. Um alle Kosten am aktiven Block 5 zu decken, sind monatlich vier Millionen Euro notwendig. Das Kraftwerk bekommt zwar eine Kostenerstattung, die entspricht aber nicht den Aufwendungen. Momentan bleibt den Betreibern allerdings nichts anderes übrig, als abzuwarten. Denn eine erneute Stilllegung des Kraftwerks können sie erst ab 2018 fordern, ein Jahr bevor die Zeit als Reservekraftwerk beendet ist.