Umweltministerin Ulrike Scharf zwischen Trockenschlamm und Phosphor

Neuburg a.d. Donau (intv) Es gilt rundum als Vorzeigeprojekt. Nicht nur dank des wegweisenden Pilotversuchs zur Phosphor-Rückgewinnung, auch aufgrund der Schlammtrocknung und der 99-prozentigen Abwasserreinigung hat Neuburg heute vormittag stolz sein Klärwerk der Öffentlichkeit präsentiert. Seit 1965 wird hier Neuburgs Abwasser gereinigt und der Donau zugeführt. Zum 50-jährigen Jubiläum schaute selbst Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf zur Stippvisite in der Ottheinrichstadt vorbei. „Ein halbes Jahrhundert Dienst am Bürger und an der Umwelt“, lobt die bayerische Staatsministerin die Leistung der Kläranlage Neuburg. Dass hieraus wieder klares, sauberes Wasser wird, dafür sorgen unter anderem Dieter Jung und Gerhard Neumayer. Die beiden sind stellvertretende Betriebsleiter und feiern neben dem 50-jährigen Geburtstag des Klärwerks ihr eigenes Jubiläum. Beide arbeiten heuer seit 25 Jahren in der Kläranlage.

„Mit den Jahren gewöhnt man sich an den Geruch. Es riecht nur noch, es stinkt nicht mehr“, erklärt Dieter Jung.  Der Rechen hat schon so manches kuriose Stück aus dem Klärschlamm gezogen: „Mein Apell an die Bürger: Bitte keine Fremdstoffe, Spritzen, Plastikteile, Arzneimittelreste, auch Unterwäsche im Klo entsorgen. Die Feuchtigkeitstücher sind uns auch ein Dorn im Auge. Sie sind dafür konzipiert, sich nicht zu zersetzen, das macht unseren Pumpen Probleme“, ergänzt Neumayer.

Etwa 70 Pumpen befördern das Abwasser durch mechanische, biologische und chemische Reinigungsvorgänge. „Sand und Kies wird aus dem Medium geholt. Nächste Station birgt dann bares Geld, unseren Frischschlamm, der im Faulturm zu Gas, Methan, umgewandelt wird. Wir verstromen das, produzieren Strom, den wir selbst verbrauchen und das übrige Gas nehmen wir auch für unsere Klärschlammtrocknung her, das heißt wir trocknen den Klärschlamm zu 91 Prozent. Diese Trockensubstanz wird dann als Heizmaterial in die Zementwerke“, so Neumayer weiter.

Über die Jahre hat sich Technik und Aufwand zur Abwasserbeseitigung stark erweitert, so die stellvertretenden Betriebsleiter. Das Endprodukt ist zu 99 Prozent gereinigtes Wasser, das der Donau zugeführt wird. Falls Sie sich selbst von der modernen Technik im Klärwerk Neuburg überzeugen wollen, morgen haben Sie die Gelegenheit dazu. Von 10 bis 16 Uhr öffnet die Kläranlage ihre Schleusen für Besucher, zum Tag der offenen Tür.