Umstritten

Schrobenhausen (intv) Ab März 2018 sollen in Schrobenhausen die Notdienste wegfallen. Die umstrittene Reform der Kassenärztlichen Versorgung Bayerns, kurz KVB, sorgt seit Monaten für heftige Diskussionen. Dr. Anton Böhm, ein Hausarzt aus Ingolstadt, hat sich nun in einem Brief zu dem Thema geäußert. Laut Böhm sei die Neuerung schon längt überfällig.

Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist nachts und am Wochenende unterwegs, wenn beispielsweise ein Kind plötzlich Fieber bekommt. Die Hausärzte haben diese Leistung freiwillig für alle Fachärzte übernommen. „Das ging jahrzehntelang gut, weil es genügend Hausärzte gab und es waren meistens Männer. Jetzt hat sich alles geändert. Die Hausärzte werden immer weniger. Und es kommen immer mehr Frauen nach.“, erklärt Dr. Böhm.

Er sieht diese jungen Ärztinnen gefährdet, wenn sie nachts alleine unterwegs sind. In Zukunft werden nur noch Ärzte Bereitschaft machen, die auch wirklich wollen und sie werden mit einem Fahrer unterwegs sein. Sie sind dann für einen von 110 Bereitschaftsbezirken in ganz Bayern zuständig.

Schrobenhausens Bürgermeister Karlheinz Stephan befürchtet mit dieser Reform dagegen eine Verschlechterung der Versorgung seiner Bürger. Außerdem ist Stephan in Sorge um das Kreiskrankenhaus. Schrobenhausen wird mit der Reform nämlich keine Bereitschaftspraxis bekommen. Aichach, Pfaffenhofen und Neuburg dagegen schon. Das sei ein enormer Wettbewerbsnachteil, so Stephan.

„Ich seh jetzt höchstens die Möglichkeit, ob das geht frage ich grad in der KV nach, dass die Schrobenhausener, die jetzt dann viel weniger Dienste haben. Dass die dann von sich aus, freiwillig an ihrem Krankenhaus eine Samstagssprechstunde machen könnten.“, so Anton Böhm.

Dr. Werner Schlingmann, Hausarzt in Schrobenhausen, sieht dagegen die KV in der Pflicht, die Neuerungen für Städte wie Schrobenhausen anzupassen. Allerdings weist er auch auf ein anderes Problem hin: das Alter der Ärzte.

„Während im Freistaat circa 35% der Ärzte über 60 Jahre alt sind, sind es hier in Schrobenhausen 50%. Nach dem 62. Geburtstag endet die Dienstverpflichtung und so nehmen sie nicht mehr am Bereitschaftsdienst teil. Für uns bedeutet das konkret, dass wir in den nächsten Jahren ein Drittel der Ärzte in den Ruhestand verabschieden werden und die werden uns im Dienst nicht mehr zur Verfügung stehen.“

Schlingmann hofft, dass wenn Hausärzte keine Bereitschaft mehr machen müssen, der Beruf wieder attraktiver wird und es so mehr Nachwuchs gibt. Davon würde auch Schrobenhausen profitieren.