Spätstarter gesucht: Ausbildung mit 35 kein Problem

Schrobenhausen (intv) Im Alter von 35 Jahren eine Ausbildung beginnen? Das mag ungewöhnlich sein, jedoch nicht unmöglich. Birgit Agubuokwu aus Karlshuld wollte es vergangenes Jahr noch einmal wissen. Die verheiratete Familienfrau und Mutter von drei Kindern absolviert seit September eine Umschulung zur Steuerfachangestellten in einer Schrobenhausener Kanzlei. „Ich wollte noch einmal beruflich gefordert sein, da meine ursprüngliche Ausbildung viel zu lange her ist und ich mich nicht von Hilfsjob zu Hilfsjob hangeln möchte“, so Agubuokwu.

Aus diesem Grund nahm sie Kontakt zur Agentur für Arbeit auf, die unter dem Motto „Spätstarter gesucht“ eine bundesweite Ausbildungskampagne ins Leben gerufen hat. „Die Beratung sowie der Eignungstest bei unserem berufspsychologischen Dienst brachten für Frau Agubuokwu überdurchschnittliche Ergebnisse“, sagt Martina Christl von der Agentur für Arbeit in Neuburg. Auch die Suche nach einer Ausbildungsstelle gestaltete sich nicht sonderlich schwer. „Unsere Kundin zeigte dabei sehr viel Engagement“, so die Arbeitsberaterin. Nach den ersten sieben Monaten habe sie nun den Eindruck, zusammen mit Agubuokwu die richtige Wahl getroffen zu haben.

In der Kanzlei von Michael Seitz übernimmt die Auszubildende bereits Tätigkeiten wie das Erstellen von einfachen Einkommenssteuererklärungen oder die Buchführung kleinerer Unternehmer. „Frau Agubuokwu bringt Lebenserfahrung mit und ist im Umgang mit Kunden und Mandaten sehr souverän, darum wollten wir ihr die Möglichkeit geben“, sagt der Steuerberater. Aufgrund des Fachkräftemangels seien Steuerfachangestellte sehr gefragt – ein weiterer Grund, eigene Spezialisten auszubilden.

Dass Birgit Agubuokwu zweimal pro Woche neben 16-jährigen Mädchen und Jungen in der Berufsschule sitzt, stört keinen der Beteiligten. „Ins Lernen kommt man schnell wieder rein“, sagt die 35-jährige, „und Themen wie Elterngeld oder Versicherungen kenne ich ja schon aus dem realen Leben“. Eine weitere Besonderheit gibt es: Die Familienfrau absolviert die Ausbildung in der Kanzlei in Teilzeit. Aus diesem Grund dauert die Umschulung insgesamt drei anstatt zwei Jahre. Nachmittags kümmert sie sich um ihre Buben im Alter von 7, 9 und 12 Jahren. „Man braucht viel Organisationstalent“, sagt Agubuokwu. „Und einen Chef, der offen ist für Familienleben“. Den hat sie in Schrobenhausen glücklicherweise gefunden.

Wer sich für eine Umschulung im Rahmen der Kampagne „Spätstarter gesucht – AusBildung wird was“ interessiert, kann sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsagentur bzw. der Jobcenter wenden.