Sorgen von der Seele reden

Ingolstadt (intv) Knapp 100 Bahnhofsmissionen gibt es in Deutschland. In Ingolstadt wird dieser besonders niederschwellige Sozialdienst in ökumenischer Trägerschaft von der Diakonie und der Caritas gefördert. Ob ein Pflaster, Reisehilfen für Blinde oder die Vermittlung in Therapieeinrichtungen – das Hilfsangebot ist breit gefächert. Doch hier können Menschen auch einfach nur miteinander ins Gespräch kommen, Sorgen und Probleme im Dialog bewältigen. Am Hauptbahnhof Ingolstadt herrscht heute Vormittag emsiges Treiben. An einem so hektischen Ort gibt es derzeit einen eher unscheinbaren Platz, der zum Verweilen einlädt. Die „Wanderbank“, ein Projekt unter Federführung des katholischen Verbandes In Via Bayern, wurde von zwei Künstlerinnen ins Leben gerufen: „Uns geht es darum, die Menschen kennen zu lernen, die in die Bahnhofsmission gehen und ich finde, Bänke sind ein Ort, an denen man sich kurz unterhält, oder eben mal kurz nichts tut, Brotzeit macht, innehält. Wir wollten genau so einen Ort etablieren. Gerade auch in so einem geschäftigen Bahnhof und auf der Bank wollen wir dann auch ins Gespräch kommen mit den Leuten,“ erklärt Christiane Huber das Projekt „Wanderbank“. Mit einfühlsamen Fragen gelingt das auch. Gemeinsam mit Fotografin und Künstlerin Sanne Kurz hat sie die Idee entwickelt. Sich Sorgen von der Seele reden können, dieses Angebot nimmt auch Jörg an. Er hat zwei Schlaganfälle hinter sich. Bei einem hat ihm sein Hund Leika das Leben gerettet, sie bellte und alarmierte die Nachbarn, als es geschah. Diese und viele andere Geschichten werden von den Künstlerinnen Christiane Huber und Sanne Kurz in Wort und Bild gesammelt. „Einer hat mir tatsächlich die Geschichte von der verlorenen Seele erzählt. Das war natürlich seine eigene Geschichte, wie er über Jobverlust und Krankheit und Alkohol wohnungslos wurde. Es sind viele Biografien, die oft von Menschen handeln, die aus irgendeinem Grund an den Rand der Gesellschaft gekommen sind. Das ist total interessant, weil die trifft man in der Bahnhofsmission, das sind Leute, die aus dem System gefallen sind, aus welchem Grund auch immer“, so Huber. Die Wanderbank ist in ganz Bayern unterwegs, demnächst in Aschaffenburg und Schweinfurt. Die Geschichten wollen die beiden Künstlerinnen sammeln und weiter mit ihnen arbeiten. Geplant sind ein Buch und eine Ausstellung, damit diese wertvollen Begegnungen nicht verloren gehen.