Sie kommen, wenn Betroffene nicht mehr weiterwissen

Neuburg/Schrobenhausen (intv) Sie kommen, wenn Betroffene nach einem Schicksalsschlag jemanden zum Reden brauchen, um Angehörigen Trost zu spenden, Zeugen am Straßenrand nach einem schweren Verkehrsunfall zu betreuen oder um Hinterbliebene nach einem Suizid oder Mord aufzufangen. Seit dem 20. April ist im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ein neuer Kriseninterventionsdienst (KID) im Einsatz. Und die Bilanz bis heute zeigt deutlich: Sie werden dringend gebraucht. „Wir gehen auf psychischer Ebene auf die Leute ein, wir haben viel darüber gelernt, was kann man in den nächsten Stunden tun, um die Betroffenen abzuholen, da wo sie stehen, viel organisatorisches auch, wo sind Anlaufstellen und weitere Hilfen für die Menschen. Wir benachrichtigen auch Freunde und Verwandte, um für die Hinterbliebenen soziale Ressourcen zu mobilisieren, die ihnen Halt geben, wenn wir wieder weg sind“, erklärt Rosi Kronschnabl, ein Mitglied des Kriseninterventionsteams.

Bereits zu zehn Einsätzen hat die Integrierte Leitstelle den KID alarmiert. Unter anderem auch zur Unterstützung des Ingolstädter Teams, als in Irgertsheim eine 51-Jährige auf der B16 ihr Leben lassen musste. Die belastenden Einsätze werden am Besten im Team nachbesprochen. Hier verarbeiten die ehrenamtlichen Helfer die tragischen Bilder. Elfriede Müller ist häufig als Einsatzleitung tätig, sie hat das Kriseninterventionsteam im Landkreis mit etabliert. Rund um die Uhr in Bereitschaft zu stehen, ist mittlerweile normal. „Man gewöhnt sich daran, das Handy am Nachtkästchen liegen zu haben. Warum ich mich zu diesem Ehrenamt entschlossen habe? Ich bin seit ein paar Jahren in Rente und ich kann noch etwas machen, ich will nicht zuhause sitzen und Däumchen drehen. So hat sich das durch das BRK ergeben, dass ich hier das Team mitaufgebaut habe“, so Müller.

In 80 Unterrichtsstunden an Wochenenden haben die 26 Ehrenamtlichen Schulungen besucht, die Ausbildungskosten hat das BRK übernommen. Vor allem Einfühlvermögen ist bei dieser sensiblen Tätigkeit wichtig und der Wille, anderen ein Stück der Last abzunehmen: „Wenn auch in der Situation vielleicht kein Dankeschön kommt, weil die Menschen immer noch konfus sind und auf ihr Leid konzentriert, du merkst genau, du kannst diesem Menschen helfen und beistehen. Das ist eigentlich das größte Dankeschön“, fasst Ulrike Angermeier zusammen.