Schulstreit: FW diskutieren Rückkehr zum G9

Ingolstadt/Eichstätt (intv) Die Diskussion um eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium schlägt immer höhere Wellen. Die Freien Wähler haben nun genug Unterschriften beisammen, das Volksbegehren wird kommen. Abgestimmt wird über eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9. Die Eintragungsfrist läuft vom dritten bis zum 16. Juli. Mindestens zehn Prozent der Stimmberechtigten sind für einen Erfolg nötig, das entspricht rund 950.000 Unterschriften. Ob es Erfolg haben wird, sei kaum absehbar, so Eva Gottstein. Befürworter outen sich selten: „Es ist ein heimliches Volksbegehren. Offiziell steht der BLLV hinter uns und das ‚Forum Bildungspolitik in Bayern‘. Hinter der vorgehaltenen Hand sagen ganz viele: ‚Ja, wir unterstützen euch.‘ Der Philologenverband sagt: ‚Wir haben nichts dagegen, wenn jemand das Volksbegehren unterschreibt.‘ Wir sind selbst ganz gespannt“, so die Landtagsabgeordnete.

Wie die Reform allerdings realisierbar ist und wie das neue Schulmodell am Ende aussehen soll, da scheiden sich die Geister. Fest steht: Eine mögliche Umsetzung wird zum Kraftakt. „Organisatorisch stelle ich es mir ganz ganz schwer vor. Ich denke, dass beide Modelle in ein und derselben Schule schwer zu machen sind. Und die Gymnasien in Konkurrenz zueinander zu stellen, indem eines G8 und das andere G9 anbietet, das macht es sicherlich nicht unbedingt leichter“, betont Karin Leibl, stellvertretende Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV).

Den Stein ins Rollen brachten ursprünglich die Eltern. Ihre Sorgen: zu hoher Druck, zu viel Nachmittagsunterricht, keine Vertiefung der Inhalte und ein vollgepackter Stundenplan. Das Turbo-Abi durchzuhecheln sei nicht der richtige Weg, so Eichstätts Stadträtin Martina Edl (FW): „Grundsätzlich stand ich dem G8 positiv gegenüber. Als es eingeführt wurde, habe ich aber festgestellt, dass der Druck auf Eltern und Kinder gewaltig angestiegen ist, dass die Notenschnitte nach unten gegangen sind und dass die Zeit für Hobbies durch das G8 genommen wird.“ Edl sprach bei der Informationsveranstaltung der Freien Wähler gleichzeitig als Vorsitzende des Elternbeirats des Willibald-Gymnasiums und aus Erfahrung als vierfache Mutter.

Prof. Michael Piazolo, Generalsekretär der Freien Wähler im Landtag, wies darauf hin, dass man erst nach dem Volksbegehren in die detailierte Planung gehen kann. Besonderes Augenmerk liegt hier auf ländlichen und kleineren Gymnasien, denn nicht wenige Schulen werden mit der Wahlfreiheit überfordert sein. Der Diskussionsstoff wird also auch nach der Entscheidung im Juli nicht ausgehen.