Schuldunfähig? Plädoyers im Prozess um versuchten Mord in Gerolfing

Ingolstadt (intv) Die Beweisaufnahme im Fall der blutigen Beilattake in Gerolfing ist abgeschlossen. Ein 63-Jähriger Diplom-Kaufmann soll mehrmals auf seinen Schwager eingeschlagen haben, so dass dieser wegen schweren Kopfverletzungen notoperiert werden musste. Die Anklage lautet auf versuchten Mord mit gefährlicher Körperverletzung. Heute wurden die Plädoyers im Ingolstädter Landgericht gehalten.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung stellten den selben Antrag: Freispruch wegen Schuldunfähigkeit. Ein Gutachter hatte bei dem Angeklagten wahnhafte Störungen festgestellt. Deswegen soll der 63-Jährige dauerhaft in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden. Der Angeklagte soll sich ein komplettes Wahnsystem aufgebaut haben, in dem er sich als Verschwörungsopfer sieht. Auch seine Schwester und sein Schwager, in deren Haus der Angeklagte wohnte, sollen sich in seiner Vorstellung gegen den 63-jährigen verschworen haben. Das Zusammenleben gestaltete sich so schwierig, dass der Angeklagte nach einem Mietstreitprozess Ende März 2017 ausziehen sollte. Und da sieht der Staatsanwalt auch den Auslöser der Tat. Der Angeklagte habe keinen Ausweg mehr gesehen. Die Anwältin der Nebenklage gibt zu bedenken, dass der 63-Jährige bisher keine Reue gezeigt habe. Für den Verteidiger steht fest, dass die psychische Erkrankung seines Mandanten nicht der einzige Grund für die Tat ist. Familie und Freunde hätten an seinem Verhalten schon deutlich früher erkennen können, dass sich der Angeklagte in einem psychisch bedenklichem Zustand befunden habe. Kommenden Montag wird das Urteil erwartet.