Rückzugsort für alle Antons, Tonis und Antonias

Schrobenhausen (intv) Der Mond stand am Samstag noch über den Dächern Schrobenhausens, als sich der Platz am Ufer der Paar mit Menschenleben füllte: Sie alle wollten die Einweihung des Antonius-Refugiums nicht verpassen. Der kleine Festakt war exakt auf 5:12 Uhr terminiert – Zeitpunkt des Sonnenaufgangs. Denn man hoffte auf ein astronomisches Schauspiel, das sich dann auch tatsächlich einstellte: Die Sonnenstrahlen trafen direkt auf das von Brigitte Schuster gestaltete Glaskunstwerk und ließen den Heiligen Antonius mit Jesuskind schon am frühen Morgen in hellem Glanz erstrahlen.

„Die Idee zu dem Bauwerk entstand auf einem Neujahrsempfang, als sich fünf bis sechs Tonis aus Schrobenhausen zufällig zusammenfanden“, sagt Stadtrat Anton Bayerstorfer über das Projekt. Einer aus der Runde habe scherzhaft gesagt, man müsste irgendetwas machen – zum Beispiel eine Kapelle bauen. Gesagt, getan. Das Kernteam erweiterte sich auf insgesamt acht Antons. Nach einjähriger Planungsphase wurde das Gebilde innerhalb von knapp drei Monaten auf einem städtischen Grundstück errichtet.

Antonius von Padua gilt Schutzpatron der Bäcker, Schweinehirten, Reisenden und Sozialarbeiter. Der Heilige aus dem 13. Jahrhundert wird im Volksmund auch gerne „Schlampertoni“ genannt. Heimatpfleger Hans Hammer kennt den Spruch, den man gerne ausspricht, wenn man Gegenstände verloren hat und nicht wiederfindet: „Heiliger Antonius, kreuzguader Mo, pack mi beim Schippel und führ mi da no!“

Als christlichen Sakralbau versteht Bayerstorfer das aus 46 Holzstelen und einer massiven Rückwand bestehende Gebäude jedoch nicht: „Es ist ein Rückzugsort und Besinnungsraum für jedermann, egal welchen Namens oder Glaubens – wenn Ayse und Ali dort ihre Gebete halten wollen, sind sie herzlich willkommen.“ Finanziert wurde das Projekt komplett aus Spenden; auch haben zahlreiche Handwerker auf eine Berechnung der Leistungen verzichtet.

Für Spaziergänger und Radfahrer könnte das Refugium vor allem in den Sommermonaten ein willkommener Zwischenstopp werden, denn es liegt direkt am Paartal-Wanderweg sowie am Radweg zwischen Schrobenhausen und Mühlried (genauer Standort). Das Antonius-Refugium soll zudem Teil der Stadtrunde werden, die markante Punkte der Innenstadt auf einem Spazierweg miteinander verbindet.

Zur Eröffnung waren neben den Mitbegründern auch zahlreiche Bürger und Stadträte Schrobenhausens gekommen; sogar eine junge Antonia aus Aresing wollte sich die Einweihung nicht entgehen lassen.