Raserprozess geht weiter

Ingolstadt (intv) Eigentlich sollte der Berufungsprozess gegen ihn schon zu Ende sein. Ein 24-Jähriger steht vor dem Ingolstädter Landgericht, weil er mit 185 Stundenkilometern vor zwei Jahren auf der B 13 eine Frau getötet hat, vermutlich im Drogenrausch. Der Prozess zieht sich aber in die Länge, denn jetzt geht es darum, ob der junge Mann vor dem tödlichen Unfall bei Ilmmünster tatsächlich Cannabis konsumiert hatte.

Beim letzten Verhandlungstermin hat der Verteidiger des 24-Jährigen unerwartet eine US-amerikanische Studie ins Spiel gebracht, die den Angeklagten entlasten könnte. Diese besagt, dass bei starkem Gewichtsverlust einer Person im Fettgewebe eingelagerte THC Werte freigesetzt werden – falls die Person in der Vergangenheit Cannabis konsumiert hat. Wenn diese Studie anerkannt wird, könnte dem 24-Jährigen der Cannabiskonsum am Unfalltag nicht nachgewiesen werden. Denn der Angeklagte hat bereits zugegeben, über Jahre intensiv gekifft zu haben. Außerdem hat er in kurzer Zeit rund zehn Kilo abgenommen, was heute vor Gericht ein guter Freund bestätigt hat, der mit dem Angeklagten seit Jahren zusammen trainiert. Um so wichtiger war es heute für Richter Konrad Kliegl, die Studie genauer unter die Lupe zu nehmen. Ausschlaggebend war dabei die Aussage eines Gutachters, der ganz klar betonte, dass ein Zusammenhang zwischen Gewichtsverlust und der Freisetzung von THC nicht wissenschaftlich nachweisbar ist. Keine gute Nachricht für den Angekagten und seinen Verteidiger, die gehofft haben, mit Hilfe der Studie das Blatt noch einmal zu wenden. Die Verhandlung wird am 8. Dezember fortgesetzt, dann werden die Plädoyers erwartet.