Raffinerie und Gasöltanks bereiten Irschingern Sorgen

Irsching (intv) Es war eine Bürgerversammlung, wie sie Vohburgs Bürgermeister Martin Schmid noch nie erlebt hat. Der Saal im Warmbad Irsching war bis zum letzten Platz gefüllt. Zusätzlich wurde der Ton in zwei weitere Räume übertragen. Nach der Explosion in der Bayernoil Raffinerie am 1. September hatten die Irschinger viele Fragen. Und auch das geplante Gastanklager der Firma Uniper bereitet den Bürgern Sorgen.

Es sind zwei große Punkte, die unabhängig zu sehen sind. Die Explosion in der Bayernoil Raffinerie und das geplante Gasöltanklager der Firma Uniper. Beide Punkte vereint aber die Sorge der Bürger. Nach der Explosion sind die aufgeschreckt. Seelische Folgen sind das eine, dazu kommen zahlreiche Schadensmeldungen. Rund 800 Schäden, von kaputten Garagentoren bis hin zu abgedeckten Dächern haben die Bürger an Bayernoil gemeldet. Die Geschäftsführer Michael Raue und Karl Strummer entschuldigen sich zuerst bei den Irschingern. „Eines ist Tatsache: wir sind verantwortlich für den Schaden. Und es ist auch klar, dass die Bevölkerung nicht auf dem Schaden sitzen bleiben soll“, so Strummer. Eine Pauschalzusage kann der Geschäftsführer aber nicht geben. „Wir müssen die einzelnen Fälle prüfen und werden dann entsprechend reagieren.“

Die Prüfung läuft bereits. Einige Bürger beschweren sich über unfreundliche Gutachter der Versicherungen. Die Angst, am Ende auf den Kosten sitzen zu bleiben ist deutlich zu spüren. Pfaffenhofens Landrat Martin Wolf will mit einem Vorschlag schlichten: ein Runder Tisch mit Bürgern, Vertretern von Bayernoil und Politik, an dem für die verschiedenen Fälle Beispiellösungen gefunden werden. Das Treffen soll noch im Oktober stattfinden. Die Zeit drängt, der Winter steht an und da will niemand eine kaputte Fensterscheibe haben.

Zur Ursache der Explosion gibt es keine genaue Aussage. Die Ermittlungen des Landeskriminalamtes laufen. Im Vorfeld gab es keinerlei Anzeichen, keinen Störfall, keine Unregelmäßigkeiten erzählt Raue. Die Explosion habe auch Bayernoil aus heiterem Himmel getroffen. Bei den Bürgern sorgt diese Aussage eher für weitere Sorgen als für Beruhigung.

Dann geht es um das zweite große Thema: Uniper betreibt das Gaskraftwerk Irsching, das im Moment nur als Reserve bereitsteht. Aus wirtschaftlichen Gründen plant Uniper ein Gasöltanklager. Die Genehmigung ist erteilt, daran ist rechtlich nichts mehr zu rütteln. Die Irschinger haben aber Angst. Vor einer weiteren Explosion und vor allem, vor dem Lieferverkehr. Über 3000 Tanklaster werden ihren Berechnungen nach durch den Ortsrand zum Kraftwerk fahren. Die Bürger wollen eine Anlieferung über eine Pipeline auf dem Bayernoil Gelände oder eine Umgehungsstraße. „Wenn wir eine Straße bauen, dann ist das Projekt kaputt, wirtschaftlich kaputt“, erklärt Oliver Schwadtke, der Leiter des Kraftwerks Irsching. „Dass das ganze wirtschaftlich sein muss, ist klar. Aber dass man sich da wirklich so über die Anliegen der Bürger hinwegsetzt“, reagiert Matthias Kolbe und appelliert an die Moral.

Kolbe hat Anfang September den Brandbrief an Innenminister Joachim Herrmann verfasst. Pünktlich zur Bürgerversammlung kam aus München auch die Antwort. Das Schreiben ist für die Bürger wenig erfreulich: die Staatsregierung begrüßt den Gasöltank zur Vorratshaltung. Das sei wichtig für die Versorgungssicherheit in Bayern.