Radfahren ohne Helm bleibt weiterhin erlaubt

Ingolstadt (intv) Radfahrer haben bei unverschuldeten Unfällen auch dann ein Recht auf vollen Schadensersatz, wenn sie keinen Helm getragen haben. So urteilte gestern der Bundesgerichtshof über die Klage einer Frau, der zuvor noch eine Mitschuld an einem Unfall angelastet wurde. Die Radfahrerin war ohne Helm gefahren, als eine Autofahrerin plötzlich die Tür aufriss. Sie stürzte und zog sich schwere Kopfverletzungen zu. Das neue Urteil bedeutet für Radfahrer vor allem eines: Fahren ohne Helm ist auch weiterhin ohne rechtliche Folgen erlaubt. Nur 15 Prozent der deutschen Radfahrer tragen einen Kopfschutz. Und dieser wird meistens nur hervorgeholt, wenn längere Radtouren geplant sind. Doch gefährlicher sind die alltäglichen Kurzstrecken. Über 90 Prozent der Fahrradunfälle passieren im Stadtgebiet. Oft befanden sich die verunglückten Radfahrer auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen und hatten keinen Helm auf. Im Falle eines Falles kann ein Helm aber entscheidend über die schwere einer Verletzung sein. Bei 7.000 ausgewerteten Radunfällen im Zeitraum 2000 bis 2012 erlitten 40 Prozent der Radler ohne Helm Kopfverletzungen. Bei denen mit Helm lag der Anteil nur bei 30 Prozent. Für schwere Schädel-Hirn-Verletzungen hat ein Helm sogar ein Reduktionspotential von 70 bis 80 Prozent.

Obwohl die Einführung einer Helmpflicht Radfahrer vor schweren Kopfverletzungen schützen könnte, wird in Deutschland darauf verzichtet. Ein Blick in Länder wie Finnland oder Spanien, in denen es eine Helmpflicht gibt, zeigt, dass dadurch weniger Menschen mit dem Rad fahren.

Aus diesem Grund spricht sich auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub gegen eine Helmpflicht aus. Wichtiger sei es, die Infrastruktur für Radfahrer zu verbessern. So könnten Unfälle vermieden werden. Ein Helm, so Wolfgang Meyer, der ADFC Kreisvorsitzende von Ingolstadt, würde nur bei schweren Unfällen etwas helfen. Da aber laut einer Studie zwei Drittel aller Radfahrunfälle auf eine Kollision mit einem Auto zurückzuführen sind, wäre jedoch jeder Radfahrer gut beraten, einen Helm zu tragen. Die endgültige Entscheidung darüber bleibt den Radlern auch zukünftig selbst überlassen.