Race Across America: Vier Bayerinnen geben Vollgas

Hohenwart (intv) Vier Damen radeln durch die Holledau – vorbei an Hopfengärten und dem malerischen bayerischen Sonnenuntergang. Klingt wie eine sommerliche Feierabend-Tour – ist aber das erste Training für ein mehr als strapaziöses Vorhaben: Nicole Bretting aus Hohenwart will im kommenden Jahr zusammen mit drei Mitstreiterinnen Amerika durchqueren – und zwar komplett. Von der West- bis an die Ostküste; in Zahlen gesprochen: 4.800 Kilometer. Das Ganze in nur sechs Tagen und zehn Stunden.

„Das Race Across America gilt als das härteste Amateurradrennen der Welt“, sagt Nicole Bretting – und bleibt dabei seelenruhig: Die 43-jährige Hohenwarterin hat erst im vergangenen Herbst den Ironman auf Hawaii in der Altersklasse W40 gewonnen und auch sonst schon so einige sportliche Erfolge eingefahren. Für das neueste Vorhaben wird sie verstärkt aufs Rad umsteigen. „Man fährt durch sämtliche Klima- und Zeitzonen Amerikas“, so Bretting. Und das Tag und Nacht: Immer ist ein Fahrer im Sattel, die anderen fahren im Begleitfahrzeug oder ruhen wenige Stunden aus. „Aus trainingswissenschaftlicher Sicht ist das eine extreme Herausforderung“, sagt Triathlontrainerin Heike Priess. Die gebürtige Neuburgerin lebt in der Nähe von Bad Tölz – und ist die zweite im Bunde.

Unter dem Namen „Quattra Bavariae“ hat sich das vierköpfige Team kürzlich zusammengefunden. Drei Triathletinnen und eine Spitzen-Radsportlerin, allesamt aus Bayern. „Das hat es in der Geschichte des RAAM noch nicht gegeben“, sagt Christine Waitz. Der Triathletin aus Roth wurde der Ausdauersport quasi schon von der Herkunft wegen in die Wiege gelegt. Mit dabei ist auch Monika Dietl aus Freising, die sich auf Radrennsport spezialisiert hat. Vor allem Bergetappen liegen der 36-jährigen. Und davon wird es einige geben: Insgesamt 51.000 Höhenmeter müssen auf der Strecke durch die USA bewältigt werden.

Doch noch eine weitere Hürde wartet: Bis zur Anmeldung im Dezember muss das Team rund 60.000 Euro aufbringen, denn der logistische Aufwand ist enorm, sagt Nicoles Ehemann und persönlicher Trainer Reinhard Bretting. „Mindestens zehn Personen sind im Hintergrund tätig. Wir brauchen vor Ort zwei Begleitfahrzeuge, zwei Wohnmobile und einen kompletten Stab an Fahrern, Navigatoren und Physiotherapeuten.“ Deshalb freut sich Bretting jederzeit über sportlich engagierte Unternehmen, die als Sponsor für Quattra Bavariae tätig werden wollen und vielleicht damit einen neuen Weltrekord begleiten. „Dass wir es schaffen, daran besteht kein Zweifel“, sagen die Radlerinnen unisono – und das klingt nach sportlicher Bayern-Power.