Prozessbeginn in Ingolstadt: Pfaffenhofener Geiselnehmer vor Gericht

Ingolstadt|Pfaffenhofen (intv) Den 6. November 2017 werden die Mitarbeiter des Pfaffenhofener Jugendamts so schnell nicht vergessen. Ein junger Vater aus Ingolstadt hat sich eine Sozialpädagogin zur Geisel genommen, weil er so seine knapp zweijährige Tochter aus der Pflegefamilie zurück in die Obhut der Mutter erzwingen wollte. Am Vormittag des 19.09.2018 hat die Verhandlung vor dem Ingolstädter Landgericht begonnen.

Mehr als 5 Stunden hat der Angeklagte die Pädagogin im Jugendamt Pfaffenhofen festgehalten und ihr ein Taschenmesser an den Hals gehalten. Seine Forderung: Der zuständige Richter des Amtsgerichts solle zu ihm ins Jugendamt gebracht werden, damit dieser noch vor seinen Augen die entsprechenden Sorgerechtsbeschlüsse erlassen könnte. Am Nachmittag konnten als Notärzte verkleidete Polizisten den Mann mit einem Taser überwältigen. Die Anklage: Geiselnahme mit gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung. Heike Linz-Höhne, Pressesprecherin im Landgericht Ingolstadt erklärt: „Zentraler Schwerpunkt wird jedoch die Feststellung der Schuldfähigkeit des Angeklageten sein. Sollte das Gericht auf Grund seines eigenen Eindrucks und auf Grund diverser Gutachten, der Aussagen der Zeugen und Sachverständigen, zu dem Schluss kommen, dass keine oder eine verminderte Schuldfähigkeit zum Tatzeitpunkt vorgelegen hat, werden weitere Schritte zu prüfen sein, ob er gegebenenfalls in eine psychiatrische Einrichtung untergebracht werden muss.“

Seit einer Woche ist Igor B. von der Kindsmutter getrennt. Die Paffenhofenerin wusste nichts von den Plänen des Angeklagten. Sie dachte, er würde nur zum Reden in das Amt gehen. Auch nach der Tat habe er sich kaum erklärt.

Seine älter Schwester beschreibt ihn als friedfertigen und liebevollen Bruder sowie Vater. Sie hält die Tat für eine Kurzschlussreaktion, die mit seiner schwierigen Kindheit als Scheidungskind zu tun hätte. Vor der dreijährigen Beziehung zur Kindsmutter bestand Suizidgefahr, vor allem wenn er zu viel Alkohol getrunken hatte. Währenddessen wirkte er stabil. Die Ex-Freundin und die Schwester beschreiben den mutmaßlichen Täter als emotional eher zurückhaltend, bis – so wörtlich – die Bombe platze.

Das Opfer bleibt der Verhandlung fern. Sie kämpft heute noch mit der psychischen Bewältigung der Tat.
Derzeit ist der Angeklagte in einer Psychiatrie untergebracht. Der Prozess wird am Mittwoch, den 26.10.2018, fortgesetzt. Das Urteil ist für den 12. Oktober vorgesehen.