Prozessauftakt: Mutter hat ihren dreijährigen Sohn getötet

Ingolstadt / Baar-Ebenhausen (intv) Wenn ein Kind stirbt, dann geht uns das immer unter die Haut. Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind tötet, dann macht uns das sprachlos vor Entsetzen. Vor einem dreiviertel Jahr hat eine Frau in Baar-Ebenhausen ihren eigenen drei Jahre alten Sohn getötet. Ab Dienstag steht die Mutter vor dem Landgericht Ingolstadt. Dann gibt es hoffentlich Antworten auf die vielen offenen Fragen, die sich nach der grausamen Tat stellen.

Am 11. April letzten Jahres geschieht hier in der ruhigen Wohnsiedlung in Baar Ebenhausen das Unfassbare. In den frühen Morgenstunden tötet die 36-jährige in diesem Haus ihr eigenes Kind, brutal mit einem Messer. Danach zündet sich die Frau selbst an, sie überlebt mit schwersten Verbrennungen. Nachbarn und die Menschen in Baar Ebenhausen sind entsetzt.

Bürgermeister Ludwig Wayand ringt auch ein Dreivierteljahr nach der Tat um die richtigen Worte: „Man fragt sich, was geht in einem Menschen vor. Es ist oft sehr schwierig und nicht erkennbar. Man steht ohnmächtig gegenüber. Hätte man was erkennen müssen. Man wusste in diesem Fall nichts“.

Die Tat hat vor allem die Menschen belastet, die engen Kontakt hatten zu Mutter und Kind. Die Kindergartenleiterin und die Erzieherinnen in dem Kindergarten des Dreijährigen waren mehrere Monate mit der Aufarbeitung beschäftigt.  Bisher ist wenig bekannt darüber, wie genau die 36-jährige ihren Sohn mit dem Messer getötet hat. Und napürlich das warum. Angeblich litt die Frau unter Wahnvorstellungen. Mit all diesen Fragen beschäftigt sich ab morgen die erste Strafkammer des Landgerichts Ingolstadt. Auch für die Richter kein alltäglicher Fall.

Gerichtssprecherin Heike Linz-Höhne erklärt, „Ein Berufsrichter ist zwischen menschlicher Anteilnahme gegenüber Täter und Opfer und muss andererseits ein richtiges Urteil sprechen über die Tat“.

Bei der gerechten Urteilsfindung hilft den Richtern das Gerüst des Strafgesetzbuchs und der Strafprozessordnung. Aber auch für ihre menschlichen Nöte haben Richter und Schöffen Ansprechpartner. Es gibt hier Supervisionen für besonders belastende Fälle.

Belastend werden morgen die Details der Tat werden, wenn klar ist, wie genau die 36-jährige ihr kleines Kind getötet hat. Und nicht zuletzt die Antwort auf die Frage, warum es so weit gekommen ist.