Prozessauftakt am Landgericht: Mord in Pfaffenhofener Getränkemarkt

Ingolstadt (intv) Die Anklage lautet auf Mord. Das Gewaltverbrechen in einem Getränkemarkt in Pfaffenhofen, bei dem der 61-jährige Betriebsleiter sein Leben lassen musste, sei aus Habgier geschehen, davon geht zumindest Staatsanwalt Jürgen Staudt aus. Seit heute muss sich ein 39-jähriger Münchner vor dem Ingolstädter Landgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, am Abend des 13. Juli vergangenen Jahres den Leiter eines Pfaffenhofener Getränkemarktes aus Habgier überfallen, erstochen und ausgeraubt zu haben. Die Anklage auf Mord statt auf Totschlag – auch am Ingolstädter Landgericht keine Alltäglichkeit: „Die Mordanklage setzt voraus, das man unter besonders verwerflichen Gesichtspunkten gehandelt hat. Hier ist das Mordmerkmal der Habgier sozusagen maßgeblich. Man wirft dem Angeklagten vor, dass er den Getränkemarkt überfallen hat, um an die Tageseinnahmen zu kommen“, erklärt Landgerichtssprecher Gerhard Reicherl im intv-Interview. Sowohl von der knapp 3.000 Euro schweren Beute, als auch von der Tatwaffe fehlt indes jede Spur.

Der 39-Jährige erklärte sich zu einer Einlassung bereit und enttarnt sich dabei selbst als hochverschuldet und spielsüchtig. Zum Tatabend beruft er sich weitestgehend auf Erinnerungslücken. Dass eine Rangelei und ein Messer mit im Spiel waren, bekräftigt er. Er kann sich jedoch nicht erinnen, Dieter H. mindestens 17 Schläge zugefügt zu haben, geschweige denn bis zu 30 Stich- und Schnittverletzungen, drei davon so tief in den Brustbereich, dass das Opfer binnen weniger Minuten verblutete. Laut Anklageschrift sollen die tiefen Messerstiche erfolgt sein, als das Opfer bereits bewusstlos am Boden lag. „Es ist für mich unerklärlich, was da abgelaufen ist, (…) ich glaube mir selbst sehr viele Aspekte nicht“, so der Angeklagte vor dem Hohen Gericht. Er selbst deutet stellenweise Notwehr an. Auf die Angehörigen muss die Einlassung des Angeklagten wie eine Farce klingen. Für sie weiterhin unbegreiflich, dass Ehemann und Vater Dieter H. sein Leben lassen musste, für knapp 3.000 Euro. Für den langwierigen Indizienprozess sind 15 Verhandlungstage angesetzt. Wenn Stefan S. Mord nachgewiesen werden kann, droht ihm eine lebenslängliche Haftstrafe.

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