Plädoyers: Staatsanwalt fordert 10 Jahre und 6 Monate für Geiselnehmer

Ingolstadt (intv) Der wohl spektakulärste Prozess des Jahres nähert sich dem Ende. Seit September muss sich der Geiselnehmer von Ingolstadt vor dem Landgericht verantworten. Heute wurden die Plädoyers gehalten. Und ausnahmsweise waren sich beim heutigen zehnten Verhandlungstag Verteidigung und Staatsanwaltschaft in zwei Punkten einig: Geiselnehmer Sebastian Q. ist uneingeschränkt schuldfähig, beide lehnten eine Unterbringung in einem psychatrischen Krankenhaus ab. Für die Straftat, vier Geiseln über zehn Stunden in seine Gewalt zu bringen, forderten beide Seiten ein unterschiedliches Strafmaß. Verteidiger Jörg Gragert plädierte auf sechs Jahre und sechs Monate, Staatsanwalt Ingo Desing erhöhte auf zehn Jahre und sechs Monate. Zuvor attestierten zwei Gutachter dem Geiselnehmer zwar einen überdurchschnittlich hohen IQ, jedoch eine schwere dissoziale Persönlichkeitsstörung.

Peter Gietl, Anwalt der Nebenklägerin, dem Stalkingopfer Tatjana S., schilderte die Angst seiner Mandantin, wenn der Angeklagte nach seiner Haft wieder auf freiem Fuß sei. Sicherheitsverwahrung komme jedoch wegen juristisch-formellen Grenzen nicht in Frage.

Die Forderung nach hohen Freiheitsstrafen quittierte der Angeklagte mit einem Grinsen. Sein letztes Wort dehnte er feierlich aus: „Mir war durchaus bewusst, was ich meinen Geiseln angetan habe. Ich stand mit dem Rücken zur Wand, denn ich habe niemand anderen, als mich selbst.“