Plädoyers im Wrede-Prozess

Ingolstadt (intv) Heute Vormittag wurden vor dem Landgericht Ingolstadt die Plädoyers im sogenannten „Wrede-Prozess“ gehalten. Auf der Anklagebank: Peter F., der den stadtbekannten Kampfsportpromoter Mario Wrede vor zwei Jahren in Ingolstadt auf offener Straße erschossen haben soll. Nach einem umfangreichen und aufwendigen Verfahren wegen versuchten Totschlags konnten die Plädoyers heute nicht unterschiedlicher ausfallen. So forderte Staatsanwalt Jürgen Staudt dreieinhalb Jahre Haft – er geht von einer verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten aus, weil eine Persönlichkeitsstörung nicht ausgeschlossen werden kann. Ein Antrag, der bei der Mutter sowie beim Bruder des Opfers für Entsetzen sorgte. Sie treten bei dem Prozess als Nebenkläger auf – ihre Anwälte schätzen das Strafmaß komplett anders ein und haben zehneinhalb Jahre beantragt. Sie sehen in dem Geständnis, das der Angeklagte gemacht hat, eine reine Schutzbehauptung, um sich selbst als Opfer darzustellen. Außerdem legen die Nebenklägervetreter Peter F. schwer zur Last, dass er nach dem tödlichen Schuss noch mindestens zwei Dutzend Mal brutal auf das Gesicht seines Opfers eingeschlagen hat. Ganz anders hingegen die Meinung von Verteidiger Jörg Gragert. Er hat einen Freispruch beantragt und die Ausführungen der Nebenklägervertreter als „blühende Fantasiegebilde“ bezeichnet. Ein kontroverser achter Prozesstag – das Urteil im „Wrede-Prozess“ soll heute in einer Woche fallen.