Oben Asyl, unten Musik: Grundschule wird Flüchtlingsunterkunft

Schrobenhausen (intv) Fast 250 Asylbewerber leben derzeit in Schrobenhausen, und es werden von Woche zu Woche mehr. Untergebracht sind sie in einem randvollen Containerdorf an der Bürgermeister-Götz-Straße und in der Stadthalle, die zu diesem Zweck reaktiviert wurde. Gestern Abend hat der Stadtrat grünes Licht für eine weitere Unterbringungsmöglichkeit gegeben: In der ehemaligen Grundschule an der Georg-Leinfelder-Straße sollen ebenfalls Asylsuchende unterkommen.

Das Landratsamt hatte bereits einen diesbezüglichen Bauantrag gestellt; nun muss jedoch nachverhandelt werden – denn es gibt einen Interessenskonflikt: Zugesagt waren die Räumlichkeiten dem musischen Zweig des Gymnasiums. „Wir würden gerne einen Modus finden, der die Belange des Landkreises ebenso berücksichtigt wie unsere“, sagte Schulleiter Edmund Speiseder, der als Gast zur gestrigen Sitzung gekommen war. Zur Debatte steht also nun eine Doppelnutzung: Im Obergeschoss könnten Flüchtlinge untergebracht werden, einige Erdgeschoss- und Kellerräume bleiben für die musizierenden Schülern reserviert. Dieser Vorschlag des Schulreferenten Klaus Englert (CSU) stieß auf breite Zustimmung bei den Stadträten; vor allem, da es an alternativen Unterbringungsmöglichkeiten mangelt. „Ansonsten bleiben nur noch die Turnhallen, und das ist das Letzte, was wir wollen“, so Bürgermeister Karlheinz Stephan (CSU).

Innenstadtprozess geht in die letzte Runde

Zu einem Abschluss soll noch in diesem Jahr der Bürgerbeteiligungsprozess zur Umgestaltung der Innenstadt kommen. Stadtplaner Emil Lehner vom Weidener Büro SHL stellte in der Stadtratssitzung die Eckdaten vor: Künftig werden beide Richtungsfahrbahnen der Lenbachstraße mittig zusammengeführt, an den Rändern gibt es deutlich abgegrenzte Gehwege mit barrierefreiem Belag. Dazwischen sollen Mehrzweckflächen eingerichtet werden: „Im Sommer können Sitzgelegenheiten überwiegen, im Winter macht man daraus weitere Parkplätze“, beschreibt Lehner das flexible Konzept. Der Lenbachplatz wird verkehrsberuhigt. Kleine Wasserläufe und Brunnen sollen das Stadtbild ergänzen. Die Umsetzungsphase könne bis zu fünf Jahre dauern, so der Stadtplaner, und mit knapp 9 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Für den 29. November wurde nun ein Bürgerentscheid angesetzt. In Form eines Ratsbegehrens sollen die Einwohner dann entscheiden, ob die erarbeiteten Pläne umgesetzt werden sollen oder nicht. Zuvor gibt es eine öffentliche Informationsveranstaltung, diese ist für den 18.11.2015 geplant.

Tagesordnung per Tablet

Richtungsweisend war die Sitzung noch aus einem weiteren Grund: Die Schrobenhausener Stadträte haben jetzt Tablet-Computer gestellt bekommen. Mit der darauf installierten Sitzungs-App können die Kommunalpolitiker auf sämtliche Sitzungsunterlagen in digitaler Form zugreifen. „Ich bin mit der ganzen Technik noch nicht so vertraut, aber ich befasse mich damit“, so Anton Bayerstorfer (SPD), der als ältestes Mitglied dem Gremium angehört. Ulrich Hartmann sitzt für die CSU-Fraktion im Stadtrat und kennt technische Geräte und mobiles Arbeiten aus seinem täglichen Job als Zahnarzt. „Aber bei großen Bauplänen oder ähnlichem ist die Papierform schon praktischer“, so Hartmann, der sich wie alle 24 Räte nun in die digitale Testphase stürzt.