Notarzt droht Fahrverbot – Verein „Leben retten“ ist enttäuscht

Wolnzach/Neuburg (intv) Wenn ein Kind Sekundenkleber gegessen hat, braucht es einen Arzt – und zwar so schnell wie möglich. So war das auch am 23.April 2014. Dr. Alexander Hatz, ein Neuburger Notarzt, fuhr mit seinem Auto mit Martinshorn und Blaulicht so schnell er konnte zum Einsatzort, um dort möglicherweise das Leben dieses Kindes zu retten. Jetzt soll er sechs Monate Fahrverbot bekommen und 4.500 Euro Strafe zahlen. Ein Autofahrer hatte den Arzt angezeigt wegen Gefährdung im Straßenverkehr. Ein Zeuge bestätigte dem Anzeigensteller, dass zwei Autofahrer stark abbremsen und an den Fahrbahnrand ausweichen mussten, weil ihnen der Notarzt beim Überholen entgegenkam. Alexander Hatz hat gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt. Innerhalb nur eines Tages haben sich 30.000 Menschen mit Dr. Hatz in einer Online Petition solidarisiert. In ganz Bayern diskutieren ehren- und hauptamtliche Rettungskräfte über diesen skurrilen Fall. Der Verein „Leben retten“ im Landkreis Pfaffenhofen hat für den Strafbefehl gegen den Notarzt keinerlei Verständnis. Er bemüht sich seit Jahren darum, genug Notärzte für die Rettungswache Geisenfeld zu finden. Aus Spendengeldern stockt er das Honorar für die nächtlichen Einsätze auf. Jetzt weist der Vorsitzende Rudi Engelhard darauf hin, dass der Verein keine Mittel mehr hat, um diesen wertvollen Dienst zu unterstützen. Außerdem gibt es ohnehin immer weniger Notärzte, weil die eine lange Ausbildung absolvieren müssen. Das bereitet dem Leitenden Notarzt Dr. Olaf Ruchnewitz Kopfschmerzen. Er sitzt oft stundenlang am Telefon, um Kollegen aus Nürnberg, München und Regensburg zu diesem Dienst zu überreden. Mit dem Strafbefehl gegen den Neuburger Notarzt wird dies künftig sicher nicht einfacher.