Nora Gomringer begeistert beim Eichstätter LiteraPur-Festival

Eichstätt (intv) „Wenn ein 13-jähriger Junge zum Vogel wird, haben alle anderen versagt.“ Der kleine Tobias begeht Selbstmord, wirft sich aus dem 13. Stock. Die Figur Nora Bossong begibt sich auf die Suche nach dem Warum.

Mit ihrem Prosatext „Recherche“ hat Autorin Nora Gomringer vergangenes Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preis erhalten. Gestern las sie Lyrik in Eichstätt, beim Literatur-Festival „LiteraPur 16“. Dabei springt sie von nachdenklich stimmenden, schweren Worten, zu launigen Zwischentönen und zurück – macht Worte bewusst. Die Zuhörer hängen Autorin Nora Gomringer an den roten Lippen. Sie ist sicher: Poesie und Lyrik werden auch im Zeitalter des Internets nicht sterben.

„Die Leute lesen natürlich noch. Dass sie nicht mehr so gut zwischen den Zeilen lesen können, das könnte damit zu tun haben, dass sehr viel geschaut wird, das Bild hat wesentlich mehr Kraft und Power als das geschriebene Wort, aber das gesprochene Wort, das hat durchaus Kraft und deshalb glaube ich sind auch die Literaturfestivals so beliebt. Eine Möglichkeit, sich relativ niederschwellig der Literatur zu nähern“, erklärt Gomringer ihre Sichtweise.

Zufall und Schicksal, unter dieses Motto haben die Studenten der Katholischen Universität Eichstätt die 5. Auflage des LiteraPur-Festivals gestellt. Das geht vom Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur aus. Der Andrang wird von Jahr zu Jahr größer, freut sich Mitinitiator Michael Kleinherne, er kann auch für dieses Jahr eine positive Bilanz ziehen.