Neue Heimat in Bergheim

Bergheim/Neuburg a.d. Donau (intv) Tagelange Fußmärsche, von Schmugglerbanden über Grenzen und schließlich in kleinen Booten übers Mittelmeer geschleust. Durch insgesamt sieben Länder hat sich beispielsweise Muzamel Kakar den Weg gebahnt, über ein Jahr lang war er auf der Flucht unterwegs. Die endet jetzt in Bergheim bei Neuburg. Muzamel ist einer von acht minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlingen, die im ehemaligen Bräugasthof „Zum Löwen“ eine neue Heimat gefunden haben. Alles Dank dem Verein für Kinder- und Jugendhilfe „futhuk“. In der heilpädagogischen Wohngemeinschaft leben nun Muzamel, Hossein, Robel, Behzad, Farshad, Mohammed, Javid und Madhi, alle zwischen 16 und 18 Jahre alt. Seit mittlerweile drei Wochen sind die Jungs hier. Beauftragt vom Neuburger Jugendamt, kümmert sich der Verein futhuk mit einem Team aus acht Betreuern um sie, rund um die Uhr ist ein Ansprechpartner da, wie Julia Müller. „Sie ist unsere Betreuerin, sie hilft uns bei den Hausaufgaben und bei sonst allem. Sie ist sehr nett“, erklärt Muzamel, er kann schon richtig gut Deutsch sprechen.  „Wir haben Betten und Schränke gezimmert und mithilfe von ganz vielen Spenden die Einrichtung so gestalten können, wie sie jetzt ist. Wir sind auch noch nicht ganz fertig, manches ist noch improvisiert, aber das kommt bestimmt in den nächsten Tagen und Wochen“, so Müller.

Die jungen Männer gehen in Bittenbrunn auf die Berufsschule, in spezielle Integrationsklassen. Nachmittags kommen ehrenamtliche Deutschnachhilfelehrer aus dem Dorf. Und auch so klappt die Integration: Beim Bergheimer Maibaumfest haben die acht mitgeholfen und mitgefeiert: „Ja sie sind alle nett. Aber wir haben ein Problem, wir verstehen nicht, wenn sie bayerisch sprechen“, fügt Muzamel lachend hinzu.  Der Besuch des Kamerateams ist für die Jungs eine willkommene Abwechslung zum durchgetakteten Alltag. Doch was sie uns über ihre Vergangenheit erzählen, klingt wie aus einem Albtraum. „Ich komme aus Eritrea. Von da aus bin ich mit dem Auto über den Sudan nach Libyen gekommen. Von da aus ging es mit dem Schiff nach Italien und weiter nach Deutschland. Ich war ein Jahr unterwegs“, berichtet Robel. Nicht nur durch die Sprachbarriere fällt es ihm schwer, darüber zu reden. Ungefähr das gleiche Schicksal hat Mohammed aus Somalia und Javid aus Afghanistan ereilt.

In Bergheim können die minderjährigen Flüchtlinge vorerst bleiben, mindestens bis sie volljährig sind. Bis dahin will der Verein „futhuk“ ihre Stärken erkennen und Sie im besten Fall in eine Ausbildung vermitteln. Dass sie alle irgendwann in Sicherheit Fuß fassen können, bleibt ihnen nur zu wünschen.