„Musik auf Rädern“ in Ingolstadt

Ingolstadt (intv) „Niemand kann behaupten, dass La Boheme eine künstlerisch gelungene Oper sei.“ Die Kritiken von Giacomo Puccinis Oper „La Boheme“ nach der Uraufführung 1896 in Turin waren alles andere als gut. Dennoch ist sie heute eine der fünf meist gespielten Opern weltweit. Während sie sonst mit großem Orchester, mehreren Solisten und Chor aufgeführt wird, konnten die Ingolstädter diese Woche die Oper im Taschenbuchformat genießen. Bereits zum sechsten Mal gastierte das Projekt „Musik auf Rädern“ auf dem Carraraplatz in Ingolstadt. Die Internationale Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation hat es auf die Beine gestellt. Ziel der Stiftung ist es, Menschen für die Oper zu begeistern, die bisher keinen Bezug dazu hatten.

In Ingolstadt ist ihnen das diese Woche gelungen. Die tragische Liebesgeschichte von Mimi und Rudolfo hat das Publikum berührt. Einige der Zuhörer waren bereits öfter bei Aufführungen von „Musik auf Rädern“. Sie erkannte man daran, dass sie sich eigene Klappstühle mitbrachten, denn die Anzahl an Zuhörern ist immer so groß, dass die Bestuhlung, die das Kulturamt vor dem vhs-Gebäude vorgenommen hat, bei weitem nicht ausreicht. Das besonders schöne Wetter in diesem Jahr sorgte dafür, dass die Menschen sich bis auf die Stufen der Stadtbibliothek verteilen mussten, um noch einen Blick auf die Darsteller zu erhaschen. Viele begnügten sich jedoch auch damit bei einem angrenzenden Cafe sitzend einfach nur den Arienklängen zu lauschen.

Vier Solisten, zwei Geigen, eine Bratsche, ein Violoncello und ein Akkordeon; Mehr Orchester und Sänger brauchte es nicht, um das Drama der Liebe und Armut darzustellen. Der arme Dichter Rudolfo verliebt sich in seine Nachbarin Mimi. Diese aber hat Schwindsucht. Da Rudolfo zu arm ist um sie zu pflegen, trennt er sich von ihr. Auch ein befreundetes Paar findet nach einer Trennung zunächst wieder zueinander, zerstreitet sich dann aber wieder. Die beiden Freunde sitzen einsam zusammen und sehnen sich nach ihren Geliebten, als diese zu ihnen kommen und um Hilfe bitten, denn Mimi geht es schlecht. Es wird zwar ein Arzt gerufen, Mimi stirbt jedoch noch bevor dieser eintrifft. Das Stück endet mit dem Wehklagen Rudolfos.

Das Ingolstädter Publikum schien zunächst bedrückt und mitgenommen von dem tragischen Ende, brach dann jedoch in frenetischen Beifall aus. Die Oper im Taschenbuchformat hat überzeugt. Viele der Zuhörer gingen an diesem Abend die Arie der Musetta pfeifend nach Hause.

Nähere Informationen zu der Stiftung und dem Projekt „Musik auf Rädern“ finden sie unter www.internationalestiftung.de