Mit dem Nachtwächter durch die Altstadt: Kuriositäten aus der guten alten Zeit aus Neuburg.

Neuburg (intv) Mit dem Nachtwächter durch die Neuburger Altstadt. Seit 2013 zieht Armin Seger als mittelalterlicher Nachtwächter verkleidet durch die Altstadt Neuburgs und zieht einmal im Monat Besucher von Nah und Fern an.

In der Dämmerung beginnt der Abendrundgang. Die Gäste werden vom Nachtwächter durch verschiedene Punkte in der Oberen Stadt geführt.
Wenn die Lampen brennen und die Schar durch die engen Gassen zieht, so glaubt Seger, dass es genau dieser Reiz und der Flair der Altstadt sei, den die Leute so lieben.

Maximal 30 Gäste können die Stadtführer in ihrem Abendrundgang mitnehmen. Um die Tour lebendig zu halten, haben sich Seger und sein Kollege Otto Heinrich was einfallen lassen: Immer wieder tauchen neue Haltepunkte im Plan der abendliche Route auf: Denn die Geschichte Neuburgs hat so allerlei zu bieten!
Vor knapp 15 Jahren hatte sein Kollege Herr Heinrich die Idee, dieses Thema aufzugreifen: Die Geschichten ausgraben, die in jeder Stadt in Archiven schlummern und den Gästen zu zeigen. Führungen mit dem Nachtwächter durch die Altstadt, gibts mittlerweile in vielen anderen Städten.  Das mit gutem Grund: Durch die Erlebnistour können sich die Bewohner das Leben damals in der Heimstadt viel besser vorstellen.

Auf seinem abendlichen Spaziergang plaudert der Stadtführer Geschichten über die Stadt aus, die selbst der ein oder andere Neuburger nicht wusste. Von der Entstehung des alten Stadttheaters, über die barfüßigen Klosterschwestern bis hin zur Bestrafung des Bäckers, wenn eins seiner Semmeln zu klein waren. Denn dann brachten ihn die Kläger zur Donau. Dort veranstalteten sie das sog. „Bäckerschubsen“:  Vom Brückenpfeiler aus schubste man ihn in die Donau. Erst einige Zeit später kauften die Neuburger einen Käfig für die sog. „Bäckertaufe“, mit dem man den Bäcker dann gefahrlos in die Donau tauchen konnte. Denn lebensgefährlich schaden, wollten die Bewohner ihn auch nicht. Seine Backwaren brauchte die Stadt trotzdem noch.

Verantwortlich für die Sicherheit der Stadt, hatte der Nachtwächter so einige Aufgaben zu erfüllen. Im Kirchturm von Sankt Peter war er Zuhause: Doch schön und beschaulich war es da oben nicht. Bis 1910 gabs da oben keinen Strom. Auch Toiletten gibts bis heute nicht.
Und, wenn einmal der Magen rummort hat, so musste er nachts aufs Plumsklo gehen. Sofern es denn benutzbar war: Denn oft haben die Ministranten aus Spaß die Tür mit langen Nägeln zu genagelt.

Von oben im Kirchturm behielt er die Stadt im Auge. Wenn es brenzlig wurde, alarmierte er die Bewohner mit Glocke oder Signalhorn.
Damals als Warnung, heute als Abschied –  Auch zum Ende seiner Führung bläst der Nachtwächter einmal das Signalhorn.