Mit Baseballschläger und Elektroschocker: Prozessauftakt wegen räuberischer Erpressung

Ingolstadt (intv) Es war Ende Februar letzten Jahres, als ein Großaufgebot der Polizei nach zwei dunkelhäutigen Männern fandete, die angeblich zwei Geisenfeldern schwere Stichverletzungen zugefügt hätten. Es vergingen einige Tage bis klar war: Die verletzten Männer hatten gelogen. In Wahrheit waren sie Mittäter bei einem Überfall und wurden vom vermeintlichen Opfer mit einem Samurai-Schwert selbst schwer verletzt. Heute war nun Prozessauftakt am Ingolstädter Landgericht gegen die beiden Männer und zwei vermeintliche Komplizen. Zwischen den bekannten Fakten und dem tatsächlichen Geschehen gibt es aber noch viele Ungereihmtheiten.

Es gäbe nur zwei belastbare Fakten erklärte der vorsitzende Richter Thomas Denz heute zu Verhandlungsbeginn: Selman R. und Andy O. waren in der Manchinger Wohnung von Andreas S. und Ameet S. war ihr Fahrer. Mehr könne man mit Gewissheit nicht sagen, denn sowohl die Täter als auch das Opfer haben sich bei ihren Vernehmungen sehr „ambivalent“ ausgedrückt und „jeder Angeklagte sei nun seines eigenen Glückes Schmied“, so Richter Denz weiter.
Bereits im Vorfeld der Verhandlung habe der Angeklagte Andy O. „die Hosen runter gelassen“. Zum Prozessauftakt zog nun auch Selman R. nach. Er ließ von seinem Anwalt eine Erklärung vorlesen in der er schilderte, wie Andy O. ihn zu der Tat drängte, weil er 1.800 Euro Schulden bei O. hatte und außerdem unbedingt an die Drogen des Opfers wollte. Die Angeklagten vermuteten bis zu 20.000 Euro Bargeld und mindestens ein halbes Kilo Gras in der Wohnung von Andreas S. Bewaffnet mit Baseballschläger und Elektroschocker fuhr Ameet S. Andy O. und Selman R. nach Manching. Andre B. sollte aus der Wohnung des Opfers grünes Licht für den Überfall geben. Aber der Plan ging schief. Ganz entgegen der Absprache wehrte sich das Opfer mit einem Samuraischwert und fügte Andy O. und Selman R. schwere Verletzungen zu. Die beiden flüchteten und überlegten sich auf der Fahrt ins Klinikum Ingolstadt wie sie ihre Verletzungen glaubhaft rechtfertigen könnten. Aus einem Überfall von zwei dunkelhäutigen Männern wurde ein Drogeneinkauf und schließlich die wahre Geschichte vom Überfall. In wie weit die vier Männer in den Überfall verwickelt waren muss nun das Landgericht klären. Die Verhandlung wird am 29. Januar fortgesetzt.