Mit Autismus in die Arbeitswelt

Hohenwart/Schrobenhausen (intv) Autisten zeigen sich oft schüchtern und zurückhaltend, können nur schwer Beziehungen aufbauen oder sich in andere Personen hineinversetzen. Zudem gelten Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung als sehr akribisch, schon die geringste Abweichung kann ihr Verständnis für Ordnung durcheinanderbringen. Gleichzeitig haben sie aber auch ganz besondere Fähigkeiten, die sie beruflich nutzen können. Die Regens Wagner Stiftung in Hohenwart arbeitet bereits seit einigen Jahren erfolgreich an einem speziellen Projekt: Mit Autismus in die Arbeitswelt.

„Wir konnten bereits acht junge Erwachsene auf dem Ersten Arbeitsmarkt integrieren“, berichtet Helmut Hirner, der bei Regens Wagner den Fachdienst Autismus leitet. Beschäftigt sind die Autisten bei Unternehmen oder Bildungseinrichtungen in Schrobenhausen, Aresing und Hohenwart. Die Tätigkeiten sind unterschiedlich: Vom Schreiner-Helfer bis zum Hausmeister.

Außenarbeitsplätze und Angestelltenverhältnisse

„Ich pflege das Intranet, bearbeite Urlaubsanträge und übernehme Tätigkeiten der Lohnbuchhaltung“, so Jakob Nadler, der bei der Transportfirma Amenda einen Büroarbeitsplatz hat. Der IT-Bereich liege ihm besonders gut, so der 21-jährige Angestellte. Für Jakob ist es deshalb kein Problem, mehrere hundert Datensätze hintereinander ins System einzugeben.

Auch die Zwillingsbrüder Christian und Johannes Hoeft haben ihren Platz in der Arbeitswelt gefunden. Während Johannes in einer Schreinerei in Rettenbach beschäftigt ist, übernimmt Christian das Abspülen in der Küche des Schrobenhausener Kreiskrankenhauses. „Er ist sehr zuverlässig und außerordentlich pünktlich. Arbeitsabläufe, die man ihm erklärt, macht er gewissenhaft und immer gleich“, sagt Küchenchef Walter Haas über seinen Mitarbeiter. Die schnelle Auffassungsgabe des Autisten habe er zunächst bei dieser Form der Erkrankung nicht erwartet.

In einer Kantine arbeitet auch Sabine Kleitsch. Sie bereitet an der Michael-Sommer-Mittelschule täglich Nachspeisen für die Schulkinder vor. Die Beschäftigung erfolgt im Rahmen eines Außenarbeitsplatzes, der vom Berufsausbildungsbereich REHA von Regens Wagner betreut wird. Die 26-jährige hat Karrierepläne: Im September möchte sie eine Ausbildung zur hauswirtschaftstechnischen Helferin beginnen.

Vorteile für Beschäftigte und Arbeitgeber

Für Unternehmen bringe die Beschäftigung autistischer Menschen noch weitere Vorteile, sagt Helmut Hirner, der zugleich Vorstandsmitglied im Autismuskompetenznetzwerk Oberbayern ist. „Es gibt Fördermaßnahmen und Eingliederungszuschüsse von der Arbeitsagentur. Sollte die Arbeitskraft nicht der eines nicht-autistischen Menschen entsprechen, erhält der Arbeitgeber einen Minderleistungsausgleich.“ Aus diesem Grund will Regens Wagner Hohenwart noch weitere Firmen für das Projekt gewinnen.