60 Jahre Bravo

Ingolstadt (intv) Generationen von Jugendlichen sind mit ihr erwachsen geworden: Die Bravo feiert heute ihren 60. Geburtstag. Noch immer investieren Jugendliche ihr Taschengeld in die Zeitschrift, zum Beispiel in Pfaffenhofen beim Schreibwarenhändler Hans Prechter. In seiner eigenen Jugend war es für den 66-Jährigen um einiges schwieriger, an die begehrte Zeitschrift zu kommen. Seine Eltern hatten zwar ein Schreibwarengeschäft, der Sohn durfte die verpönte Zeitschrift allerdings nicht lesen. Die Hefte studierte er deswegen heimlich und legte sie danach möglichst unversehrt wieder ins Zeitschriftenregal zurück.

Wichtig war die Bravo damals nicht nur, weil sie über Trends und Stars informierte. Gleichzeitig leistete sie mit Doktor Sommer auch Aufklärungsarbeit. Und das in einer Zeit, als über Sexualität kaum gesprochen wurde. Eltern und Lehrern war das Blatt deswegen höchst verdächtig. Hans Prechter erinnert sich an eine Ski-Freizeit in seiner Jugend, bei der eine heimlich mitgebrachte Bravo fast einen Verweis zur Folge gehabt hätte.

Klare Sache, dass das Verbot die Zeitschrift umso beliebter machte. Auch wegen der Starschnitte war die Bravo heiß begehrt. Wer genug Ausgaben sammelte, konnte sich anschließend einen Papierstar in Lebensgröße an die Wand pappen.

Ganz besondere Erfahrungen mit der Bravo hat der Ingolstädter Biss-Verkäufer Günter Holzer gemacht. Er behauptet, vor 45 Jahren selbst in der Zeitschrift gewesen zu sein. Ein Mädchen habe ihm damals eine Vergewaltigung vorgeworfen. Später habe sie zugegeben, die Sache erfunden zu haben. Um vor den Folgen von falschen Anschuldigungen zu warnen, habe die Bravo damals eine Doppelseite über die Geschichte gebracht, berichtet Günter Holzer.

Seit es das Internet gibt, ist die Zeitschrift für Jugendliche nicht mehr ganz so wichtig. Gehalten hat sie sich trotzdem. Statt Schlagersängern sind heute eben Youtube-Stars auf dem Titel.