Mauschelvorwürfe gegen Ingolstädter Verwaltung und Politik

Ingolstadt (intv) Heute Morgen, neun Uhr. Die Stimmung im Sitzungssaal des Amtsgerichts Ingolstadt ist angespannt. Auf der Anklagebank: Drei Architekten aus zwei verschiedenen Architekturbüros. Außerdem der Leiter des städtischen Hochbauamtes sowie sein Stellvertreter. Sie sollen den Architekten lange vor der öffentlichen Ausschreibung für den Bau des Schulzentrums Südwest Informationen über die Vergabekriterien zukommen lassen haben. Die Architekten konnten sich so einen Vorteil verschaffen und haben den Zuschlag für das Projekt erhalten. An dem Verfahren beteiligt waren auch Anwälte einer Spezialkanzlei, die mit der Stadt zusammen gearbeitet hatten. Auch sie sollten als Zeugen geladen werden – als Richter Christian Veh allerdings gleich zu Beginn der Verhandlung verkündete, dass der zuständige Anwalt seit drei Jahren spurlos verschwunden sei, ging ein erstauntes Raunen durch den Raum. Für die Verteidiger unvorstellbar: Während der Ermittlung wurde die Anwaltskanzlei nicht befragt. Rechtsanwalt Daniel Amelung zeigte sich bestürzt, er sprach von grob fahrlässigen Untersuchungsarbeiten. Die zuständige Kriminalpolizistin beteuerte, hierfür keinen Auftrag von der Staatsanwaltschaft bekommen zu haben. Sie gab an, dass die sicher gestellten Unterlagen eindeutig darauf hinweisen, dass es Absprachen vor der Ausschreibung gab. Die Kronzeugin, die vergangene Woche im Prozess ausgesagt und die Stadtspitze schwer belastet hatte, schätzte die Kripobeamtin als glaubwürdig ein. Die Verhandlung wird am Donnerstag, den 24. Juli fortgesetzt.