Materialmangel und steigende Soldatenzahlen: Pressegespräch im Ingolstädter Ausbildungszentrum der Pioniere

 

Ingolstadt (intv) Die Bundeswehr braucht mehr Einsatzmaterial – Ein Thema, das in der bundesweiten Presse schon seit Wochen heiß diskutiert wird. Die Gründe für die Ausrüstungsmängel liegen aber nicht bei den Soldaten. Kommandeur Lutz Niemann hat uns am Donnerstag, den 12.04.2018 über den Sachverhalt aufgeklärt und uns verraten wie es seinen Pionieren im Ausbildungszentrum Ingolstadt geht.

Es ist fast sieben Jahre her als der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Wehrpflicht in Deutschland abschaffte. Einsparungen wurden vorgenommen – vorallem am Material. „Weil wir nicht mehr die Gesamtheit der Streitkräfte gebraucht haben, sondern nur noch in Kontingenten wie jetzt in Afghanistan oder Mali. Mit dem Trendwechsel zur Landes- und Bündnisverteidigung müssen wir wieder die komplette Streitmacht einsatzbereit halten. Es wird also wieder mehr Material benötigt, als vorgesehen und das kostet.“, erklärt Lutz Niemann, Kommandeur im Ausbildungszentrum Pioniere Ingolstadt. Das kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Die Industrie ist nicht mehr für die Landes- und Bündnisverteidigung ausgelegt. Bis der Rückstand aufgeholt ist, dauert es noch Jahre. Niemann rechnet mit 2036. Für den Kommandeur trortzdem ein positiver Aspekt – Immerhin wird das Material aufgestockt. Eine bereits bemerkbare positive Veränderung gibt es beim Personal. Immer mehr Soldaten können jährlich rekrutiert werden. In Ingolstadt ist das durch doppelt so viele Feldwebellehrgänge bemerkbar. Die Bundeswehr ist nach wie vor ein attraktiver Arbeitgeber. Gerade der Standort Ingolstadt zieht Soldaten aus ganz Deutschland an. Vorallem Pendler haben es in Ingolstadt leicht. Sie finden durch mehrere Bahnhalte und die Autobahnnähe eine perfekte Verkehrslage vor. Der Standort Ingolstadt hat aber auch ein paar Schattenseiten. Die meisten der Pioniere würden gerne herziehen. Was sie davon abhält: Die verhältnismäßig hohen Meitpreise in und um Ingolstadt.

Die Soldaten die zum Ausbildungszentrum kommen, sind bereits älter, haben die Truppenzeit schon hinter sich und haben meistens schon Familie. Sie können erwarten länger am Standort stationiert zu sein. Die Mieten in Ingolstadt seien mit dem Gehalt eines Unteroffiziers bzw. Offiziers nicht bezahlbar, so Niemann.

Der Ausbildungsstandort hat noch mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Gefährliche Ereignisse an den Übungsplätzen, wie an der Donau bei Ingolstadt, in Wackerstein oder in Hepberg machen eine störungsfreien Übungsablauf kaum möglich. Der Kommandeur nennt es „Freizeitdruck“. Zivilisten gehen durch die Übungsgelände spazieren, führen ihre Hunde gassi, grillen oder fahren sogar Motocross. Allein das Betreten der Übungsgelände ist strengstens verboten, scheint aber niemanden zu interessieren, bis bei der nächsten Sprengeinsatzübung- Gott bewahre- doch einmal etwas Schlimmeres passiert.